Aus der Jolle in die Kielyacht

matchrace

Konstanz, 03.03.2012 von Hans-Dieter Möhlhenrich

Viel Enthusiasmus stecken viele Vereine am Bodensee in ihre Jugendarbeit. Mit sechs bis acht Jahren lernen sie in den Vereinen segeln, steigen dann irgendwann in eine der zahlreichen Jollen- und Regattaklassen um und viele gehen später dann leider irgendwann dem Segelsport verloren. Häufig mit dem Schulabschluss ist eine mehr oder weniger erfolgreiche Segelkarriere zu Ende und nicht alle Aussteiger finden später wieder den Weg zum Segelsport.

Ein Phänomen, das man in allen drei Bodensee-Anrainerstaaten seit Jahren gleich beobachten kann. Manche Ansätze gibt es, wie man dieses Problem angehen kann. Angefangen von der Vereinsyacht bis zur Gründung von Fahrtenseglergruppen, alles mögliche wird versucht. So richtig erfolgreich war noch kein Konzept. Auch die Lacustreklasse wie andere Klassen stellte Überlegungen an, wie man diese Jugendlichen bei der Stange halten und dabei gleichzeitig die Mitgliederstruktur der eigenen Klasse verjüngen kann. 
Und die Lacustresegler machten Nägel mit Köpfen. Sprich: Bei der Far Niente 2007, der traditionellen Fahrtenregatta der Lacustreklasse, entstand die Idee, ein Jugendboot auf die Beine zu stellen. Spontan spendeten einige Far Niente Teilnehmer den stattlichen Betrag von 30000 Euro als Startkapital für eine neu anzuschaffende Jugend-Lacustre.  Mit dem Geld konnte die gerade verfügbare Lacustre 135 gekauft werden und zum Betrieb des Bootes wurde der Jugend Regatta Förderverein gegründet. Mit Hilfe weiterer Sponsoren konnte die Lacustre modernisiert und regattatauglich ausgerüstet werden.  Ziel war es, Jugendlichen dieses Boot eigenverantwortlich zur Verfügung zu stellen. Statt „mitsegeln“ wie das sonst üblich ist, sollten sie selbst aktiv werden und sich als Mannschaft organisieren.
Die ersten Erfolge des Projekts stellen sich bereits 2008 ein, als die auf „Jeunesse“ getaufte Lacustre während einer kompletten Segelsaison mit Trainings und Regatten zeigt, was in dem Projekt steckt. 2009 und 2010 konnte eine zweite Lacustre angemietet werden und in 2011 wurde dann die zweite Jugend-Lacustre “Jeunesse blanche“ gekauft.  Eigner stellten zudem immer wieder weitere Boote für Jugendliche zur Verfügung. Die beiden Jugend-Lacustre starteten u.a. bei der Schweizer Meisterschaft 2009 in Lindau und 2011 in Genf. Gemeinsam mit dem Junioren Segel Pool der Region Kreuzlingen wird auch ein Ausbildungsprogramm Yachtsegeln angeboten. Das Interesse ist groß und durch die Zusammenarbeit mit dem Junioren Pool der Region Kreuzlingen, St.Gallen Sailing – dem Segelclub an der Universität St.Gallen, dem Jugendsegeln Steckborn, dem Altnauer Segelclub, etc. konnten Jugendliche aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich weit über die Lacustre-Klasse hinaus angesprochen werden.
2010 folgt ein weiterer Schritt. Profi-Segler Christian Scherrer leistet Entwicklungshilfe fürs  Match Raceing. Er hat nicht nur viel Match-Race-Know how im Segelsack, sondern mit der von ihm und seinem Partner Bolinger entwickelten blu26 auch ein ideales Match-Race-Boot. Zwei der Boote werden vom Verein angeschafft und 2011 wöchentlich Match Race Trainings am Bodensee durchgeführt. Mit dem Volvo Match Race Cup 2011 in Kreuzlingen kann sogar ein World Tour Qualifier Event organisiert werden. Weitere Match Race Events sind beim YC Romanshorn und beim Altnauer SC.  2012 schließlich soll die Open Match Race Schweizermeisterschaft in Romanshorn das Highlight sein.
Ein wichtiger Strippenzieher ist Felix Somm, der den Kontakt zu Sponsoren knüpft und zudem für die Ausbildung, Trainings und Organisation der Match Races des Jugend Regatta Fördervereins zuständig ist. Der Verein fährt jeweils eine deutsche und schweizer Schiene. Für die deutsche Filiale ist Werner Wandelt Präsident, in der Schweiz Daniel Oes, beides altgediente Lacustresegler. Im Hintergrund werkeln zahlreiche engagierte Helfer aus den Vereinen und der Regattaszene oder bekannte Regattasegler wie Enrico De Maria stehen den Jugendlichen auch mit ihrer Erfahrung zur Verfügung. 
Beim Umstieg von der Jolle in die Kielyacht stossen die Inititoren gerade mit dem Match Racing weite Türen auf: Match Race ist in, Match Race ist spannend, die Jugendlichen können sich untereinander messen – und vor allem: es bilden sich Teams mit Gleichgesinnten und Freunden. Und gerade das motiviert. 
In diesem Jahr (2012) soll das Programm weiter ausgebaut werden. Erstmals wird eine Bodensee Match Race Tour mit fünf Stationen gesegelt. Es sind ISAF Grade 3 und 4 Acts, die den Jugendlichen den Weg in die Match Race Welt-Rangliste eröffnen.
Parallel dazu  läuft der Jeunesse Cup, der auf das Fleet Race abzielt. Zwei Boote mit generationsübergreifenden Teams, die Hälfte davon Nachwuchssegler, starten bei den Schwerpunktregatten der Lacustre und können sich so für das Finale der besten acht Teams am Bodensee qualifizieren. Teams ohne eigenes Boot können die beiden Yachten des Jugend Regatta Fördervereins nutzen.

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