Ich kann (k)einen Katamaran fahren

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13.12.2010 von IBN

„Skipper, wir wollen den nächsten Törn auf einem Katamaran fahren!" Meine Stammcrew knallte mir die (Heraus-)Forderung auf den Tisch. Und folgte damit denZeichen der Zeit. Denn im Charterurlaub einen Katamaran zu segeln statt einer Einrumpfyacht wird immer beliebter.

 

Schlußendlich stehen dem Nachteil der großen Breite eine ganze von Vorteilen gegenüber: Schnelligkeit, Raumangebot, geringer Tiefgang – und schließlich schätzten vor allem die weiblichen Crewmitglieder an so einem Kat, dass er ohne Lage fährt, also letztlich viel bequemer ist. Einen Kat zu fahren, hatte mich schon seit Langem gereizt.  Also meldete ich mich nach dreißig Jahren Segeln auf Einrumpfbooten zu einem Skippertraining auf einem Katamaran an, um mich für die neue Herausforderung fit zu machen.
Auf dem Katamaran treffen sichdann : Helmut, Skipper mit weißem Schnurrbart. Er ist der Älteste und überzeugt die Teilnehmer von Anfang an durch klare Kommandos, konsequente Durchsetzung, Eselsgeduld und seine Kochkünste. Das von ihm verhängte Alkohol-  und Rauchverbot an Bord bringt ihm bei mir weitere Pluspunkte.
Die Teilnehmer ausser mir: Kati und Klaus, Bernhard, „Hans eins“ und „Hans zwei“, den der Skip den der Skipper der Einfachheit halber in „Werner“ umtauft. Dessen Gesichtsausdruck signalisiert nicht gerade Begeisterung. Durchschnittsalter geschätzt: 40 Jahre. Die Abfrage der Segelerfahrung zeigt das volle Spektrum. Vom Anfänger  bis zum alt-erfahrenen Segler ist alles vertreten. Anfangseindruck: sympathisch.
Meine Vorstellung „ich weiß und kenne eigentlich schon alles" muss ich schleunigst revidieren. Vieles ist beim Kat anders als beim Monohull. Der Anker z. B. braucht einen Hahnepot, damit das Boot ruhiger liegt. 
Der Skipper demonstriert den Erfolg mit den Kompasswerten des schwoienden Bootes. Warum gibt es auf einem Kat keinen Spinnackerbaum, frage ich mich? Weil der breite Bug genügend Fußpunkte bietet.  Die Ruder des Kat sind vergleichsweise klein. Deshalb werden Hafenmanöver mit festgelegtem Ruder, nur mit Motor gefahren, z. B.: das Drehen auf der Stelle oder rückwärts Anlegen mit Seitenwind. Für den „Einrumpfler“ zunächst unvorstellbar ... 
Der Skipper setzt eine Nachtfahrt an. Für die Anfänger ist dieses Angebot besonders attraktiv. Ich kenne die Strecke bei Tag und Nacht, so dass ich mich etwas zurücklehnen kann. In den nächsten Stunden passieren wir etwa 20 Leuchtfeuer. Ich höre gelangweilt zu, wie Helmut doziert. Dabei vernehme ich "Navigatorisches", das ich eigentlich schon längst hätte wissen müssen. Die Stunden des Trainings vergehen wie im Flug. Die Manöver klappen immer besser. Der Skipper lobt die Erfolge und lässt jedem die Zeit, die der einzelne braucht. Es gibt keinen Druck, wer genug hat, kann beliebig aufhören. 
Am zweiten Abend serviert der Skip an Bord selbstgemachte Palatschinken und Rotwein. Beides mundet ausgezeichnet. Das Alkoholverbot wird dafür kurzzeitig aufgehoben. Wir genießen das Raumangebot des Katamarans und fühlen uns „sauwohl“.  Der Kat kann nichts dafür, dass ich mir immer wieder am Niedergang und am Sonnendach den Kopf anstoße. Hans „Werner“ erbarmt sich meiner, mit Mnemotechnik bringt er mir die Gefahrenstellen bei.  Tatsächlich, das hilft! Die „Kopfnüsse“ gehen rapide zurück.
Den dritten Tag krönt Rasmus mit Jugo bis 28 Knoten. Infolge einer Wette schnipsele ich Früchte für einen Obstsalat. Unser verantwortungsvoller Skipper runzelt die Stirn. Er hat Sorge, dass ich mir in die Finger schneide. Nachdem er mir eine Zeit lang zugeschaut hat, wendet er sich beruhigt ab. Ein Blick aus dem Fenster macht mir bewusst, dass ich auf einer Yacht bei dieser Windstärke meine Finger nicht mehr riskieren möchte. Einige Yachten versuchen mit uns Schritt zu halten. Bald liegen sie weit zurück. Wir sind das schnellste Boot weit und breit.
Bei einem Katamaran signalisiert keine Schräglage dem Skipper, wann er zu reffen hat. Als die Windanzeige 22 kn übersteigt halten wir uns an die Vorschrift.  Die ausführliche Refftabelle des Katamaran gibt genau vor, um wie viel die Segelfläche zu verkleinern ist. Rollgroß und Rollgenua lassen sich problemlos bedienen. Am Schluss sind wir das einzige Segelboot auf dem Wasser. Der gnadenlose Zeiger der Uhr schickt uns ans Ufer.
Im Hafen teilt der Skipper die Zeugnisse aus: „erfolgreich teilgenommen“. Schade, dass das Training schon vorbei ist, ich wäre mit dieser Besatzung gerne noch ein paar Tage länger gefahren. 

 

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Weitere Infos

Infos Spezielle Trainings für Neueinsteiger auf Fahrtenkatamaran bieten eine ganze Reihe von Unternehmen an. Skippertraining, 3 Tage Intensivkurs für Katamaran, 275,00 €, Treibstoffkosten zusätzlich anteilig (in diesem Fall ca. 40 Kuna = ca. 5,50 €), Yachting 2000, Marina Dalmacija/Sukosan/Kroatien, Mitte April 2010 www.yachting2000.at Katamaran Lagoon 410 Alternativ: Ecker Yachting, www.eckeryachting.com; Catana Katamaran-Training, www.catana-germany.de; Master yachting, www.masteryachting.com. Die Preise für den Intensivkurs bewegen sich zwischen 210 und 290 Euro.

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