Sauber, aber teuer

21.12.2010 von Michael Häßler

Der Dieselmotor Volvo Penta D6 mit 370 PS ist laut Bodensee-Schifffahrtsordnung nicht für Freizeitboote, sondern nur für die Berufsschiff-fahrt zugelassen.


Motoren der gewerblichen Schifffahrt müssen geringere Emissionsanforderungen erfüllen als Motoren für die Sportschifffahrt, obwohl deren Anteil an den emittierten Schadstoffen deutlich über denen der Sportschifffahrt liegt.Mit dem etwa 40.000 Euro teuren Abgasnachbehandlungssystem „DIF blueLES“ der Tettnanger Firma „DIF Die Ideenfabrik“ kann die gesamte D6-Motorenfamilie  sogar für Doppelmotorisierung bei Sportbooten zugelassen werden, wie der Leiter des Schifffahrtsamts Konstanz, Andreas Ellegast auf der „Abgastypenprüfbescheinigung“ bestätigt. Mehr noch: Durch die Anlage werden die Forderungen der BSO Stufe 2, was die Stickoxide anbelangt, um etwa 30 Prozent unterboten, wie Bernd Danckert, der Geschäftsführer der Tettnanger „Ideenfabrik“ stolz erklärt.

Damit dürfte die Regelung mit den Massenemissionen also zum zahnlosen Tiger mutiert sein, zumindest wenn man damit leistungsstarke, große Motorboote verhindern will, wie immer wieder über den eigentlichen Sinn dieser Verordnung spekuliert wird. Wer es sich leisten kann, rüstet sein Boot also mit einer solchen Abgasreinigungsanlage aus und hat dadurch praktisch freie Auswahl bei den Motoren. Das erste Boot mit der neuen Technik liegt in Gottlieben bei der Krüger Werft. Es ist eine Nimbus 365 Coupé, bei der erstmals sowohl die Stickoxide als auch die Partikelemissionen durch ein Abgasnachbehandlungssystem reduziert werden, obwohl die Partikelfilterung von der nach wie vor umstrittenen Vorschrift überhaupt nicht erfasst wird. Der Eigner hat die Mehrkosten dafür gerne bezahlt, wie er sagt. Denn er möchte ohne schlechtes Gewissen Motorboot fahren. Er ist stolz darauf, „das sauberste Boot am See“, wie Krüger bemerkt, zu besitzen. Mehrere KatalysatorenMöglich sind die hervorragenden Emissionswerte durch hintereinander geschaltete Katalysatoren.

Der „Hydrolyse-Katalysator“ wandelt ein Gemisch aus Dieselabgasen und einer lastabhängig eingespritzen 32,5 prozentigen Harnstoffwasserlösung in Ammoniak (NH3) um. Dieses Ammoniak verwandelt die Stickoxide am „SCR-Katalysator“ in Stickstoff (N2) und Wasser (H2O), das am Schluß den Auspuff verlässt. Die Rußpartikel werden durch ein Metallflies ausgefiltert und dort permanent „kalt“ verbrannt. Dafür wird durch einen zusätzlichen „Oxidationskatalysator“ im Abgasstrom NO2 erzeugt, das den Filter permanent regeneriert. Es bleibt keine Asche oder sonstige Rückstände im Filter, die in irgend einer Form entsorgt werden müssten, erklärt Danckert. Damit arbeitet das System nahezu autark. Lediglich der Tank für die Harnstofflösung muss von Zeit zu Zeit aufgefüllt werden. Dafür wird ein im LKW-Bereich handelsübliches Mittel verwendet, das allerdings bisher noch an keiner Seetankstelle erhältlich ist und per Kanister aufs Boot gebracht werden muss.Bernd Danckert, Geschäftsführender Gesellschafter der „Ideenfabrik“, bezeichnet das System als zukunftsweisend und macht darauf aufmerksam, dass die Abgasnachbehandlungsanlage auch sämtliche nach 2016 kommenden Emissionsgrenzen erfüllen würde.

Er erwartet, dass die Gesetzlichen Vorgaben weltweit drastisch verschärft werden und hat einige Patente angemeldet, wodurch er seine Firma und sein Produkt in einer hervorragenden Marktposition sieht.Doch nicht nur die Gottlieber Nimbus fährt mit dem System: Stolz verweist Danckert auf die spektakuläre, 22 Meter lange und 35 Tonnen schwere „Aguti“-Yacht aus Langenargen, die dank seiner Stickoxidreduktion mit 2200 PS Leistung für den Bodensee zugelassen werden konnte. Bei diesem Boot konzentrierte man sich aber nur auf die Massenemissionen, die Partikelfilterung blieb dabei noch außen vor. Die „Aguti-Yacht“ wurde mittlerweile ans Mittelmeer überführt.