Umfangreiche Sperrgebiete am Bayerischen Ufer geplant

Wichtige Ankerplätze davon betroffen

Bayrisches Ufer

Lindau/Nonnenhorn/Wasserburg, 20.11.2012 von Michael Häßler

In der Bucht von Nonnenhorn, westlich von Wasserburg, sowie in der Reutiner Bucht zwischen Lindau und Zech soll ein ganzjähriges Befahrensverbot und Ankerverbot durchgesetzt werden.

Die Reutiner Bucht ist praktisch der letzte noch verbliebene, halbwegs sichere Ankerplatz im Ostteil des Bodensees, der noch nicht gesperrt ist. Weitere Gebiete, wie die Bucht östlich von Wasserburg und der ehemaligen Prechtl-Werft am Rechener Horn, die Schachener Bucht sowie ein Streifen vor Zech sollen zwischen dem 15. September und dem 15. März gesperrt werden. In allen Gebieten soll das Kite-Surfen ganzjährig verboten bleiben. Die Wasservogeljagd dürfe gemäß einer Vereinbarung durchgeführt werden. Die Berufsfischer und Anlieger seien von diesen Einschränkungen ausgenommen, wie im Protokoll eines „Runden Tisches“ vom 17. Oktober zu lesen ist, das der IBN vorliegt und bei welchem diese Maßnahmen ausgehandelt worden seien.
Federführend sollen das Regierungspräsidium von Schwaben, vertreten durch Anton Burnhauser und Britta Richert, Daniel Fuchs vom Planungsbüro PAN und Ursula Sauter-Heiler vom Landratsamt Lindau gewesen sein.
Teilnehmer sollen Thomas Kleinschmidt, Bürgermeister der Gemeinde Wasserburg, ein Vertreter der Stadt Lindau, zwei Personen des Wasserwirtschaftsamts Kempten, ein Mitarbeiter des Landratsamts, eine Vertreterin der Naturschutzwacht, ein Vertreter des Bund Naturschutz, drei Vertreter der Fischer, zwei der Jäger,  zwei Vertreter der Kanuten und ein Segler aus Nonnenhorn gewesen sein. Die Einspruchsfrist soll am 17. Dezember enden. Die Wassersportverbände wurden über diese Bestrebungen nicht informiert.

Andreas Ober vom Lindauer Segler Club sagte auf Anfrage der IBN, dass die Segler die Sache kritisch sähen und gegen ein generelles Befahrensverbot seien. Ob Schutzzonen im Winter sinnvoll seien, sagte Ober, wolle und könne er nicht beurteilen.

Anton Burnhauser vom Regierungspräsidium Schwaben war heute für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Naturschutz - Reglementierung

Man gewinnt mit der Zeit den Eindruck, dass im Bereich Natur- und Umweltschutz nicht mehr die eigentlichen Inhalte verfolgt werden. Reglementierungen, Verbote, Schutzzonen sind die Schlagworte, die signifikant für die Rettung des Natur- und Umweltschutzes stehen.
Es ist anerkennenswert, wenn sich Verbände und Organisationen für diesen Schutz einsetzen. Der Schutz sollte aber zielgerichtet sein und nicht den Anschein von Aktionismus erwecken.
Nicht die Zahl von Gesetzen und Verordnungen erhält uns die Natur und Tierwelt in ihrer Vielfalt und ihrer Schönheit, sondern der sorgsame Umgang von jedem Einzelnen von uns, mit den für die Menschheit so wichtigen Ressourcen.
Der Bodensee bietet der Pflanzen- und Tierwelt einen natürlichen Lebensraum, einen Lebensraum, in dem Sie die Bedingungen vorfinden, die sie zum Leben brauchen.
Aber auch der Mensch findet an seinen Ufern und auf dem See selbst Erholung und Entspannung. Er nutzt den See sowohl für berufliche, als auch für private Zwecke. Der See dient als Eldorado für Wassersport in seiner ganzen Vielfalt. Der Mensch bewegt sich hier in der Natur und mit der Natur und meine Erfahrung hat gezeigt, dass dies auch ohne Schutz- und Sperrzonen möglich ist und die Achtung vor Fauna und der Tierwelt von den Wassersportlern sehr wohl gelebt wird, auch ohne diese nicht nachvollziehbaren neuen Reglementierungen.
Dass es unter Umständen den einen oder anderen gibt, der sich nicht an die normalen Verhaltensregeln hält, zeigt uns das tägliche Leben. Es zeigt uns aber auch, dass Regelmentierungen nicht immer den erwünschten Erfolg bringen und dass weniger meistens mehr ist.
Ich hätte zum Abschluss noch einen kleinen Wunsch, mit dem ich bestimmt nicht alleine stehe.
Liebe Initiatoren und Entscheider der geplanten Maßnahme, einfach nochmal darüber Nachdenken und den Gesamtkomplex, als Grundlage der Betrachtung nehmen und nicht am Ziel vorbei entscheiden.
Roland Klement am 27.11.2012 12:43:14

Antwort auf Naturschutz - Reglementierung

Sehr geehrter Herr Klement,

bitte richten Sie diesen Kommentar auch an die Regierung von Schwaben und das Landratsamt Lindau. Je mehr Mitstreiter wir gewinnen können, die sich schriftlich an die entsprechenden Stellen erklären, umso größer die Chance dieses maßlose und völlig über das Ziel hinausschießenden Pamphlet in ein vernünftiges und zielführendes Werk umzuwandeln. Bitte engagieren Sie sich und auch alle anderen und beziehen Sie Stellung!

Weitere Informationen zum Thema (und bald auch die Ansprechpartner) finden sie auf der Internetseite des Lindauer Segler-Clubs (www.lsc.de). Mitmachen und sich zu Wort melden ist wichtig!

Vielen Dank an alle Unterstützer.
Jörg Fischer am 04.12.2012 13:45:04

Existenzbedrohung

Am Bayerischen Ufer gibt es 4 Bootsvermietungen. 2/3 des Bootsbestandes sind Ruder- und Tretboote.
Unter anderem sieht die Novellierung der BSO auch vor, dass diese Boote außerhalb der Uferzone zukünftig mit Rettungswesten ausgerüstet werden sollen.
Das ist auf Tretbooten nicht möglich.
Deshalb dürfen zukünftig die Boote nur innerhalb der 300 m fahren.
Die Sperrung der Reutiner und Schachener Bucht schränkt das Fahrtgebiet zusätzlich ein.
Einzige Möglichkeit für die Mieter der Tretboote straffrei ihrem Freizeitvergnügen nachzugehen ist vor der Insel Lindau.
Das zirka 40 Boote den Bundesbahnhafen, sowie die Segelboothäfen große Probleme und Unfallrisiken bereiten werden, muss jedem Wassersportler klar sein.
Verständlicher Weise werden dann weitere Verbotszonen eingerichtet.
Somit ist diese Maßnahme für mindestens 4 Traditionsbetriebe im höchsten Maße Existenzbedrohend.
Daniel Sandau am 23.11.2012 10:50:07

Antwort auf Existenzbedrohung

Wo ist das Problem, den Tretbooten Rettungswesten mitzugeben? Ausser dass die Bootsvermietungen etwas investieren müssen.
Klaus Stramm am 13.01.2013 22:37:55

Antwort auf Antwort auf Existenzbedrohung

Unsere Tretboote sind für 5 Personen zugelassen und nach den bayerischen Richtlinien unsinkbar. Deshalb haben sie auch eine Zulassung für gewerbliche Zwecke.
Die Boote sind vollkommen geschlossen ohne Staufächer. Es gibt keinen Platz, um Rettungswesten unter zu bringen. Das heißt, dass man den Leuten die Rettungswesten anlegen müsste.
Die Investition von 5 Rettungswesten mal 30 Boote mal 5 verschiedener Größen (ca. 11.000 €) ist nicht das Problem. Der Lagerplatz und das Händling zur Trocknung und Aufbewahrung der 750 Rettungswesten übersteigen aber die Kapazitäten von mir und vieler Kollegen.
Auf Motor- und Elektrobooten ist dagegen genügend Stauraum. Bei uns sind so viele Rettungswesten an Bord, wie das Boot für Personen zugelassen ist.
Kinder bekommen grundsätzlich auf Motor-/ E-booten und auf verlangen bei Tretbooten zusätzlich geeignete Rettungswesten angezogen.
Aus Erfahrung mit den Kleinen wird es schwierig werden, an heißen Sommertagen, Erwachsenen die eigentlich baden gehen wollen, Rettungswesten an zu legen.
Hintergrund der Problematik ist die Novellierung der BSO, die vorsieht, dass bei Ruderbooten (gleichzusetzen mit Tretbooten) ausserhalb des Uferbereich (300 m Zone) das Mitführen von geeigneten Rettungswesten zur Pflicht wird.
Bei Inkrafttreten der Änderung der BSO werden alle Tretbootfahrer angehalten, die 300 m Zone nicht zu verlassen, da ansonsten ein Bußgeld durch die WaPo droht.
Bei der ganzjährigen Sperrung der Reutiner Bucht auf über 500 m Uferabstand, bleibt nur noch der Uferbereich vor dem Lindauer Segler- / und BSB Hafen übrig.
Entsprechend des Wasserstandes ist es auch problematisch die Boote über die Untiefe Anthof zu schicken.
Die Auswirkungen der Sperrung der Reutiner Bucht durch die Natura 2000 und die Novellierung der BSO ergeben zwangsläufig lebensgefährliche Situationen.
Wenn tatsächlich vor den stark befahrenen Hafenbereichen mehr als 60 Tretboote (60*5 Pers=300) 300 Personen dort baden, ergeben sich automatisch Gefahren und Unfälle, die so niemals auftreten würden.
Einzeln betrachtet haben die Gesetze ihre Berechtigung, aus der Praxis gesehen gefährden sie die Allgemeinheit.
Es ist hier nicht die Angst vor Investitionen, sondern hier geht es um Sicherheit für den Menschen.
Daniel Sandau am 15.01.2013 10:06:58
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