Felchen halten Fischer über Wasser

beim fischen

20.01.2011 von J. Delis

Jahreszeitlich zwar stark schwankende Fänge verzeichneten die Berufsfischer am Bodensee im vergangenen Jahr 2010, gesamthaft gesehen fiel aber das Ergebnis mindestens bei den Felchen zufrieden stellend aus. Weiter im Keller blieben die Eglifänge.

 

Die bei der Jahreshauptversammlung des Internationalen Bodensee-Fischereiverbandes (IBF) in Friedrichshafen gezogene Bilanz zeigte auf, dass die Fischerei stark von Faktoren abhängt, die die Natur vorgibt. Anfang des Jahres waren ausreichend Felchen in den Maschen, um den Markt befriedigen zu können. Schlechtes Wetter im Mai ließ dann die Gesichter der Fischer länger werden, die Felchenfänge gingen stark zurück, die Abnehmer wichen teilweise auf Importware aus.
Erst den Sommer über wurden die Netzzüge wieder ergiebiger, im September gab es sogar Felchen im Überfluss. Der Markt konnte die Fänge nicht mehr aufnehmen, die Preise für die Fische fielen deutlich. Eine Reihe von Berufsfischern beschränkte freiwillig die Intensität der Netzeinsätze und ließ Fangtage aus. 
Immer mehr zur Randerscheinung werden die Barschfänge, 2010 musste das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen registriert werden.  Zudem zeigen die Barsche eine Tendenz zur Kleinwüchsigkeit, bereits Exemplare von 12 bis 14 cm erweisen sich aber als laichreif. Nachfrage nach den schmack­haften Eglifilets wäre zwar da, aber diese Fisch­art ging mit dem sauber und damit nährstoffärmer gewordenen Wasser des Bodensees gravierend zurück, weniger von der Anzahl als von der Größe. Viele Fischer ersparen sich die Mühe, die auf Egli gesetzten Bodennetze überhaupt noch auszubringen. Die kleinen Egli schlüpfen durch die Maschen, die größeren rentieren kaum. „Der praktisch ganz weggebrochene Barsch­fang macht einer ganzen Reihe von Betrieben zu schaffen“, sagte Wolfgang Sigg, der Vorsitzende des IBF, „die Kunden bleiben weg, wenn neben Felchen nicht auch einmal ein anderer Fisch angeboten werden kann“.
Bedauert wird die Entwicklung auch von den Ang­lern. „Wir mussten bei den Egli ein weiteres Jahr mit Rückgängen hinnehmen, zudem werden die Barsche immer kleiner“, sagte der Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Sportfischer. 
Angeln blieb trotzdem rund um den See ein „Volkssport“, 2009 lösten 13 800 Petrijünger eine Jahreslizenz. Die Tendenz zum Angeln ist steigend, dies waren gegenüber 2008 778 Angelfischer mehr, die eine Jahreskarte für den Bodensee erwarben. Insgesamt konnten die Angler 2009 53 Tonnen Fische ins Boot heben.  
Der Ertrag der Bodenseefischer dürfte sich insgesamt aber auf gegenüber früher niedrigerem Niveau stabilisieren, wie auch das Endergebnis für das Vorjahr zeigte. 2009 wurden mit 727 Tonnen etwa gleich viele Fische gefangen wie 2008. Der Felchenertrag war sogar um 7 Prozent gestiegen, die Egli, früher das zweite Standbein der Bodenseefischer, stellten mit 70 Tonnen allerdings nur noch einen Anteil von 9,6 Prozent. Der Erfolg bei anderen Fischarten wie Zander  und Seesaiblingen war regional stark unterschiedlich ausgefallen. Das Fangergebnis 2009 wurde von 128 Berufsfischern mit Hochseepatent und 23 mit Halden- oder Alterspatent erzielt.
Zwar wurde am Vorarlberger Ufer die Anzahl der Kormorane durch Abschüsse und Vergrämungen reduziert, die Zahl der Horste ging in einem Jahr von 150 auf nur noch 50 zurück. Die Konkurrenz der gefiederten „Schwarzfischer“ wollen die Petrijünger mit Netz und Angel in dieser Anzahl aber nicht weiter  hinnehmen. Nach wie vor wurden Kormoranschwärme mit einigen Hundert Vögeln auf der Jagd beobachtet. 
Neben den alten Kolonien im Rheindelta und in Radolfzell konzentrieren sich die Vögel nun im Eriskircher Ried. In diesem Naturschutzgebiet östlich von Friedrichshafen hielten sich zeitweise 1000 Kormorane auf, die in über 150 Nestern im Schnitt zwei Jungvögel aufzogen. Die Zählung der Kormorane durch die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee ziehen die Fischer in Zweifel. Sie regten eine eigene Ermittlung an. Dass in den Seegebieten in der Nähe der Kormorankolonien auffällig wenig Fische gefangen werden, wurde auch schon als Zufall bezeichnet, sagte der IBF-Vorsitzende Wolfgang Sigg. „Aber an Zufälle glauben die Fischer schon lange nicht mehr.“
G. Grabher