Sicher über die Straße

Bootstransport

Radolfzell, 06.10.2013 von Michael Häßler

Wer mit dem Boot nicht nur per Hafentrailer und Traktor zwischen Winterlager und Sommerliegeplatz hin und her pendeln möchte, muss sich Gedanken über eine Transportmöglichkeit machen. Boote bis etwa 1400 Kilogramm lassen sich mit einem großen PKW ziehen. Für Boote bis etwa zweieinhalb Tonnen braucht man einen Geländewagen und darüber geht es in der EU nur noch per LKW. Eine Fachspedition kümmert sich außerdem auch um rechtliche Formalitäten und steht für die Sicherheit des Transportes gerade.

In der Europäischen Union ist die Gespannbreite auf 2,55 Meter begrenzt. Für breitere Boote braucht man eine Sondergenehmigung, die bis drei Meter in der Regel problemlos zu erhalten ist und der Transport auch ohne weitere Maßnahmen hinsichtlich Beleuchtung oder gar Begleitfahrzeug durchführbar ist. Breitere Transporte bedingen mehr Aufwand und die Bedingungen und Maßnahmen müssen in jedem Fall mit der Polizei und den zuständigen Verkehrsbehörden abgesprochen werden.
Oft lohnt es sich dabei schon vom bürokratischen Aufwand und vom Haftungsrisiko her, von eigenen Initiativen abzusehen und eine Fachspedition zu beauftragen.
In Österreich gelten aufgrund der EU-Zugehörigkeit ähnliche Vorschriften wie in Deutschland. In der Schweiz ist die Zulassung von Fahrzeugen kantonal geregelt. Alles, was über den „Standard-Rahmen“ hinaus geht, sollte mit den zuständigen Kantonsbehörden abgeklärt und von diesen abgesegnet werden.
Trailerboote
Urlaub mit dem Trailerboot hat etwas, auch oder gerade wenn die Bootsgröße von vornherein begrenzt ist. Man kann ohne viel Aufwand fremde Reviere erreichen und kommt dort an Orte, die mit großen und tiefgehenden Charterbooten niemals zu erreichen wären. Wenig Tiefgang zu haben, ist dabei ein besonders komfortables Merkmal.
Sogar an den „ausgetretenen“ Pfaden der Bootstouristen im toskanischen Archipel oder in Kroatien finden sich noch viele attraktive Plätze, die nur mit dem kleinen Motorboot oder dem Hubkieler zu erreichen sind, nicht aber mit dem breiten „36 Füßer“ mit seinen 1,80 Meter Tiefgang. Außerdem sind fast keine Charterboote verfügbar, die beispielsweise für eine Zweipersonen-Crew oder eine Familie auch unter finanziellen Aspekten geeignet wären.
Wer für sein Boot einen Trailer mit Straßenzulassung bis 80 km/h hat und ein passendes Zugfahrzeug, muss in Deutschland alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung, um amtlich sanktioniert feststellen zu lassen, dass sein Gefährt verkehrssicher ist. Weitere Verpflichtungen entstehen für den Trailerbesitzer nicht.
Wer mit dem Bootsanhänger oft weite Strecken fährt, sollte sich in Deutschland um eine 100 km/h Zulassung bemühen, die er bekommen kann, wenn sowohl der Trailer als auch das Zugfahrzeug bestimmte Bedingungen erfüllen. So muss der Anhänger, unter anderem, beispielsweise mit Stoßdämpfern ausgestattet sein und auch die Reifen dürfen ein gewisses Alter nicht überschreiten. Die 100 km/h-Zulassung ist außerdem an das eingetragene Zugfahrzeug gebunden.
Gebremst und ungebremst
Bootstrailer gibt es als ungebremste Ausführung oder mit Auflaufbremse. Ungebremste Trailer sind nur für leichtere Boote, wie beispielsweise Jollen oder gering motorisierte Schlauchboote sinnvoll, weil das Anhängergewicht vom Zugfahrzeug mit abgebremst werden muss. Im Fahrzeugschein des Zugfahrzeugs ist die maximale Anhängelast für Trailer mit und ohne Bremse vermerkt, die nicht überschritten werden darf.
Typische Anhängelasten für Mittelklasse-PKW betragen 700 Kilogramm ungebremst und 1600 Kilogramm für gebremste Anhänger. Schwerere Gespanne bis etwa 3500 Kilogramm, lassen sich nur mit großen Geländewagen ziehen. Kleintransporter liegen bei der maximalen Anhängelast normalerweise zwischen PKW und Geländewagen. Ein Blick in die Fahrzeugpapiere ist in jedem Fall notwendig, denn hier gibt es teilweise gravierende Unterschiede.
Die „Anhängelast“ ist die Last, die an der Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs hängt. Dazu zählt das tatsächliche Bootsgewicht und  das Gewicht des Anhängers. Die maximale Anhängelast steht in den Autopapieren. Wird diese überschritten, ist das Zugfahrzeug überladen. Demgegenüber bezieht sich das „Zulässige Gesamtgewicht“ des Trailers nur auf den Anhänger selbst. Keines der beiden Gewichte darf überschritten werden.
Hier lauert übrigens eine Falle für Trailerboot-Skipper: Auch wenn der Trailer passend zum (leeren) Boot gekauft wurde, kann es passieren, dass sowohl die zulässige Anhängelast des Zugfahrzeugs als auch das zulässige Gesamtgewicht des Trailers bei einem zu Hause „urlaubsklar“ vollgepackten Boot überschritten wird. Da kommen schnell mal 200 Kilogramm oder mehr zusammen. An eine entsprechende Reserve sollte schon bei der Anschaffung des Trailers und des Zugfahrzeugs gedacht werden.
Die Fahrt über die Fahrzeugwaage, beispielsweise einer Prüforganisation, kostet nicht viel und gibt Sicherheit. Sie ist in jedem Fall billiger, als wenn die Autobahnpolizei eine Busse kassiert oder gar die Weiterfahrt verbietet.
Auch die maximale Stützlast darf nicht überschritten werden. Das ist diejenige Last, die senkrecht von oben auf die Anhängerkupplung wirkt. In den meisten Fällen beträgt diese 50 oder 75 Kilogramm, was geschätzt oder mit einer Personenwaage relativ einfach gemessen werden kann. Zu wenig Stützlast geht zu Lasten der Fahrstabilität und der Anhänger pendelt hinter dem Zugfahrzeug hin und her. Die maximale Stützlast muss nicht ausgeschöpft werden. Je nachdem, ob die Ausrüstung im Boot weiter vorne oder weiter hinten gelagert wird, verändert sich diese.
Überhaupt ist eine intelligente Ladung wichtig für die Fahreigenschaften des Gespanns und der Schwerpunkt sollte nah an der Achse liegen. Wenn das Boot zu schwer beladen ist, kann der eine oder andere Ausrüstungsgegenstand ins Auto gepackt werden. Das empfiehlt sich beispielsweise beim Außenborder, der nicht nur eine Verletzungsgefahr darstellt, sondern mit seinem relativ hohen Gewicht auch ungünstig weit hinten platziert ist.
Höchste Sorgfalt bei der Beladung und der Einhaltung der Verkehrsvorschriften empfiehlt sich besonders vor einer Fahrt in Länder, in denen man der Landessprache nicht ganz mächtig ist. Der Autor hat, Ende der neunziger Jahre, auf einer italienischen Autobahn umgerechnet fast 400 Mark bezahlt, weil der Mast des Trailerboots wenige, nicht sichtbare aber messbare Zentimeter über die Lichtleiste hinaus ragte. Der Anblick des etwas abseits stehenden, schneidigen Carabinieri mit seiner Maschinenpistole im Anschlag und der aufgrund von Sprachbarrieren nicht mögliche Dialog mit seinen zwei Kollegen bewirkte, dass die Zahlung ohne weitere Verhandlung erfolgte und der Autor seinen Urlaub seither am Bodensee verbringt.
LKW-Transport
Besitzer größerer Boote sind entweder an ihr Revier gebunden, oder sie benötigen einen Lastwagen. Früher waren als Bootstransporter umgebaute Lastwagen relativ populär, die mit dem alten, deutschen Führerschein der Klasse drei gefahren werden durften. Aufwändige Prüfungen, strengere Gesetze und höhere Kosten sowie der Ausbau der Charterflotten in attraktiven Revieren ließen diese Variante des privaten Bootstransports in den Hintergrund treten. Heute sieht man kaum mehr umgebaute Lastwagen zur Ferienzeit über die Alpen ächzen.
Trotz der Kosten kann es sein, dass der Urlaub an Mittelmeer oder Ostsee mit dem eigenen Boot attraktiv genug erscheint, um es in die Obhut einer Spedition zu geben und diese mit dem Transport zu beauftragen. Das lohnt sich insbesondere bei einem längeren Aufenthalt ab etwa drei Wochen, wo die Kosten einer Charter in die Nähe der Kosten eines Bootstransports kommen. Der genaue Preis hängt aber immer vom Einzelfall ab und eine Anfrage lohnt sich immer. Wer zeitlich und örtlich nicht ganz exakt gebunden ist, findet vielleicht eine Möglichkeit, den Transport so zu terminieren, dass für die Spedition keine Leerfahrten entstehen. Es ist auch denkbar, dass jemand sein Boot gleich für eine ganze Saison beispielsweise mal an die Ostsee oder ans Mittelmeer verlegt und den Transport dann durchführen lässt, wenn der Spediteur ohnehin am jeweiligen Ort ist.
Aber auch der kürzere Besuch eines fremden Reviers mit dem eigenen Boot kann sich lohnen. Es möchte sich nicht jeder Segler mit einem Charterboot anfreunden und hat stattdessen lieber sein eigenes Boot dabei, von dessen Qualitäten er überzeugt ist. Dann ist er auch bereit, sich das etwas kosten zu lassen.

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