Mastbruch der „Foncia“

26.01.2011 von IBN

Die französische Hochseesegelyacht „Foncia“ von Michel Desjoyeaux und François Gabart hat am frühen Mittwochmorgen (26. Januar) beim Barcelona World Race im Südpolarmeer einen Mastbruch erlitten und wenige Stunden später das Rennen rund um die Welt aufgegeben.

Die Mannschaft blieb unversehrt und will aus eigener Kraft Kapstadt in Südafrika anlaufen. Damit wurde der Zweikampf an der Spitze des internationalen Felds zugunsten der „Virbac-Paprec 3“ von Titelverteidiger Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron (ebenfalls Frankreich) entschieden. Sie führen jetzt unangefochten 543 Seemeilen vor Iker Martínez und Xabi Fernández auf der „Mapfre“ aus Spanien, erwarten jedoch demnächst ihrerseits eine Leichtwindzone. Der Deutsche Boris Herrmann und Ryan Breymaier (USA) segeln mit der „Neutrogena“ weitere 564 Seemeilen zurück nun auf Rang sieben. Das Rennen nonstop rund um die Welt dauert noch etwa zwei Monate, bis die Yachten nach 24.000 Seemeilen im Start- und Zielhafen Barcelona zurückerwartet werden.

Das Unglück auf der „Foncia“ ereignete sich mitten in der Nacht um 3.40 Uhr deutscher Zeit. Die Crew segelte mit einem kleinem, „Solent“ genannten Vorsegel und einmal gerefftem Großsegel bei starkem bis stürmischem Südwestwind von 25 bis 30 Knoten rund 18 Knoten (mehr als 30 km/h) schnell. Das sind keine außergewöhnlichen Bedingungen, und sie herrschten bereits seit acht Stunden vor. Die oberste, etwa 2,30 Meter lange Sektion des Masts hielt dem enormen Druck dennoch nicht stand und brach zwischen den Vorstagen für das Solentsegel und dem (zu dem Zeitpunkt nicht benutzten) Stagsegel.

Das abgebrochene Stück hängt in 20 Meter Höhe herunter, konnte von der Mannschaft aber soweit gesichert werden, das weitere Schäden am Boot verhindert wurden. Mit dem verbliebenen, noch 25 Meter langen Mast konnte die „Foncia“ zunächst weitersegeln, obwohl sich das Solentsegel im Rigg verheddert hat. Auf dem Kurs Richtung Kapstadt machte das Boot zunächst noch zehn bis elf Knoten Fahrt. „Wir rechnen allerdings mit einer Ankunft nicht vor Ende der Woche“, sagte Skipper Michel Desjoyeaux in einem ersten Interview, „denn der Hafen ist noch 600 Seemeilen entfernt.“ Dort hätte theoretisch ein neuer Mast eingesetzt werden können.

Bis das Schiff dann zurück auf dem Regattakurs hätte sein können, wäre es jedoch voraussichtlich abgeschlagen Schlusslicht der 13 verbliebenen Teilnehmer gewesen. Deshalb gab das Team am Mittwochvormittag bei der Regattaleitung in Barcelona offiziell seine Aufgabe bekannt. Die französische Yacht „President“ von Jean Le Cam und Bruno García aus Spanien hatte schon frühzeitig wegen eines kompletten Mastbruchs auf dem Nordatlantik die Kapverdischen Inseln anlaufen müssen und dort die Regatta aufgegeben.

Auch die „Foncia“ hatte schon einen Reparaturstopp hinter sich. Sie war genau wie die „Virbac-Paprec 3“ (Großschotschiene abgerissen) in den Hafen von Recife in Brasilien gelaufen, nachdem sie auf dem Atlantik mit einen unbekannten Gegenstand im Wasser kollidiert war und der Bug beschädigt wurde. Auf einem weit westlichen Kurs fernab der direkten Verbindungslinie hatten sich die Topfavoriten aber in wenigen Tagen zurück an die Spitze der Konkurrenz taktiert. Die „Foncia“ lag zum Zeitpunkt des Mastbruchs auf Rang zwei nur gut eine Stunde hinter der „Virbac-Paprec 3“. Beide Yachten gehören der neusten Generation der 18,29 Meter langen IMOCA Open 60-Yachten an. Ihre innovative Technik hatte auch etliche Skeptiker auf den Plan gerufen, ob diese Boote wohl den Unbilden des Wetters auf einer Hatz um den Globus würden standhalten können.

Nachdem 15 Yachten gemeldet waren (die polnische „Fruit“ war wegen eines zu kleinen Motors nicht zugelassen worden), ist nun noch ein Dutzend im Rennen. Die Neunplatzierte „Central Lechera Asturiana“ mit Juan Merediz/Fran Palacio (beide Spanien) ist indes bereits auf dem Weg nach Kapstadt, um dort ein Leck im Hydraulikzylinder zu reparieren, der den Schwenkkiel schwenkt. Und die härteste Passage vom Kap der Guten Hoffnung an Ozeanien vorbei bis zum Kap Hoorn im Süden Südamerikas liegt noch vor den Hochseeartisten. Wegen neuer Treibeismeldungen im Südpolarmeer hat die Regattaleitung am Mittwochmittag zwei neue Eis-Tore in die Segelanweisung aufgenommen. Das sind obligatorische Wegpunkte, von denen die Boote aus Sicherheitsgründen jeweils mindestens eines nördlich passieren müssen, um nicht in die Gefahr einer Kollision mit treibenden Eisschollen zu geraten.

Von idealen Windbedingungen durften Herrmann und Breymaier in der Nacht wieder nur träumen. Einmal mehr dümpelten sie mit der „Neutrogena“ in der Flaute und verloren weiter an Boden. Am Mittwochvormittag betrug der Rückstand auf die „Virbac-Paprec 3“ schon 1.107 Seemeilen. Der nächste Gegner, die „Mirabaud“ von Dominique Wavre und Michael Paret (Schweiz/Frankreich) auf dem neuen Platz sechs hat rund 120 Seemeilen Vorsprung. „Die wiederkehrende Flaute zehrt sehr an unseren Nerven, aber in erster Linie fühlen wir jetzt mit Michel und François, die sich genau wie wir viele Monate intensiv auf dieses harte Rennen vorbereitet hatten“, meinte Boris Herrmann, „wir selbst hoffen und setzen auf unser Comeback im Southern Ocean (Südpolarmeer, d. Red.).“