Flautenspiel fordert Geduld

Travemünde, 20.07.2015

Am zweiten Tag der Travemünder Woche 2015 mussten Wettfahrtleitungen und Segler eine neue Tugend lernen: Geduld.

Denn der Abzug des Hochs über Norddeutschland und der nachrückende Tiefausläufer brachten langanhaltenden Regen, aber kaum Wind in die Lübecker Bucht. So zögerten sich die Starts auf den Dreiecksbahnen drei Stunden hinaus. Erst am Nachmittag konnte Gesamtwettfahrtleiter Brian Schweder die Crews in neun Klassen auf das Wasser schicken. So hatten die Organisatoren aber Zeit, das Siegerpodest noch einmal aufzuhübschen, denn mit dem zweiten Teil der Mittelstrecke der Yachten, die trotz des schwachen Windes am Morgen auf die Strecke gegangen waren, wurden die ersten Gesamtsieger der 126. Travemünder Woche gekürt.

Aufgrund einer Bahnverkürzung auf der Seebahn wegen des mangelnden Windes segelten die Yachten zwar keine echte Mittelstrecke mehr, waren aber dennoch zwischen dreieinhalb und viereinhalb Stunden auf dem Kurs: „Wir hatten am Start nur ein bis zwei Knoten Wind, zwischendurch kamen bis zu zehn Knoten durch. Am Ende liefen wir aber wieder Gefahr, in die Flaute zu kommen. Deshalb haben wir uns zur Verkürzung entschlossen“, berichtete Wettfahrtleiter Wolle Bahr. Die Crews waren mit dieser Entscheidung vollauf zufrieden. Denn so kehrten sie rechtzeitig in den Hafen zurück und konnten die eigene Siegerehrung genießen. „Die Wettfahrtleitung hat alles richtig gemacht. Ansonsten wäre das wohl ein abendfüllendes Programm auf See geworden“, berichtete Stefan Meining (Lübeck), der mit seiner Crew auf der „Na und“ zum Tagessieg in der Klasse OSC II gesegelt war und sich damit auch noch den Gesamterfolg des Wochenendes in dieser Klasse sicherte: „Wir mögen die Bedingungen von heute.“ Die Neugestaltung des Mittelstrecken-Programms mit der Rückkehr nach Travemünde am Sonnabend fand der „Na und“-Skipper zwar okay, sah aber auch Vorteile darin, eine nächtliche Zwischenstation in einem fremden Hafen einzulegen: „Das ist ganz schön, um mit den anderen Crews ein wenig zusammen zu sitzen. In Travemünde verläuft es sich doch sehr schnell.“ Neben der „Na und“ sammelten noch die „x-wärts“ von Lars Schöppener (Wismar) in der OSC I und die „Snabelskoen“ von Björn Carstensen (Heiligenhafen) in der OSC IV die großen Pokale ein.

Bei den sportlich ambitionierten Crews in der ORC-Klasse würfelte der Wetterumschwung am Wochenende das Feld noch einmal deutlich durcheinander. Die Sieger des Sonnabends, die „Sportsfreund“ (Axel Seehafer, Heiligenhafen), mussten sich diesmal mit Platz zehn begnügen und rutschten damit noch auf Gesamtrang vier ab. Konstante Top-Platzierungen führten die „Ella“ von Georg Westphal (Lübeck) an die Spitze. Zwei zweite Plätze am Wochenende waren gleichbedeutend mit dem ORC-Gesamtsieg vor der „Jennifer“ von Swen Schnell (Lübeck). „Die Bedingungen waren nicht einfach, aber segelbar. Die Wettfahrtleitung hat den richtigen Zeitpunkt zum Verkürzen gefunden. Wir sind zufrieden mit unserem Abschneiden. Denn wir segeln erst seit einem Jahr zusammen und wollen unser Engagement weiter intensivieren“, berichtete der ehemalige Tornado-Segler Schnell. Nach der Teilnahme bei der Nordseewoche und nun der Travemünder Woche steht mit der Deutschen Meisterschaft in Flensburg im September der Saison-Höhepunkt noch bevor. Und in zwei Jahren will sich die „Jennifer“-Crew dann auch an internationale Ereignisse heranwagen und an der EM teilnehmen.

Neben den seegehenden Yachten absolvierten auch die offenen Kielboote der Open Fun und der Trias ein schmales Programm mit einer Wettfahrt. Bei der Euro der Open Fun gelang dabei den deutschen Crews die Revanche für den ersten Tag. Tobias Hoh aus München fuhr zum Tagessieg vor Jan Kramer (Bad Zwischenahn). Die erfolgreichen italienischen Crews Roberto Benedetti und Marco Redaelli reihten sich dahinter ein, verteidigten damit aber eine knappe italienische Doppel-Führung. „Morgen greifen wir auf jeden Fall Redaelli auf dem Silberrang an“, sagte Hoh, der punktgleich mit Kramer auf Platz drei liegt. Allerdings könnten die Windvorhersagen die Italiener wieder in die Vorhand bringen. „Wir haben bei leichtem Wind einen klaren Gewichtsvorteil, haben rund 100 Kilogramm weniger“, berichtete Hoh. „Außerdem sind wir vom Starnberger See leichten Wind gewohnt. Heute war einfach das geschulte Auge für die Windstriche gefordert.“ Für Montag wird wieder eine stärkere Brise erwartet.

Keinen Einfluss auf die Spitze hat der Wind bei den Trias. Holger Köhne aus Potsdam setzte mit seiner Familiencrew Uwe und Jan Köhne seinen Siegeszug des ersten Tages fort und hat nun in drei Rennen drei Siege auf dem Konto.

Für die weiteren Klassen kam dagegen kein Rennen zustande. So mussten auch die IC Canoe ihren Start in die Titeljagd auf Europa-Ebene verschieben, ebenso wie die Canoe Taifun, für die es um die Deutsche Meisterschaft geht. Damit beginnt nun am Montag ein Titelreigen auf allen Ebenen. Denn neben den Canoe wollen auch die RS Feva ins Travemünder-Woche-Geschehen eingreifen. Und für die geht es in der Lübecker Bucht sogar um die Weltmeisterschaft.

Einen Strich durch die Rechnung zog der flaue Wind auch in der Segel-Bundesliga, die das geplante Programm früher abbrechen musste. In der Ersten Liga wurden aber immerhin zwei komplette Flights gesegelt. Und danach steht nun ein schleswig-holsteinisches Trio an der Spitze. Die SV Itzehoe führt hier vor dem Kieler YC und dem Flensburger SC. In der Zweiten Liga weht dagegen die bayerische Landesfahne an der Spitze. Der Bayerische YC liegt knapp vor dem Lindauer SC. Im hanseatischen Stadtduell hat der Lübecker SV die besseren Karten in der Hand. Nach fünf Wettfahrten hat das Team von Nils Hartog Platz fünf inne, der Lübecker YC mit Oltmann Thyen rangiert auf Platz zwölf.

An Land waren heute regengeschützte Plätze beliebt – wie zum Beispiel der Stand der Lübecker Stadtwerke an der Trave-Promenade. Besucher bekommen sogar ein individuelles TW-Andenken: Einen Schnappschuss vor maritimem Hintergrund mit einem flotten Spruch in der Hand. Einfach so. Nur ein bisschen Geduld müssen die TW-Gäste mitbringen – die Fotoaktion kommt gut an, die Schlange reicht manchmal bis auf die Festivalmeile.

Von maritimem Schnack wie „Mast und Schotbruch“, „Butter bei die Fische“ und „Klar zum Entern“, bis zu Klassikern wie „Ahoi“ und „Moin“ reicht die Auswahl an Sprüchen. Auch das „I Like“-Symbol von Facebook, Partyslogans und ein dicker Smiley sind dabei. Alles ist auf stabile Sprechblasen gedruckt. Wer möchte, kann noch einmal in die Schatztruhe mit verschiedenen Kostümierungen greifen, dann beginnt das Blitzlichtgewitter. Nicht wundern: Das geschieht vor einer langweiligen grünen Wand (Tipp: Grüne Bekleidung ist für alle Fotomodells tabu), im fertigen Foto ist jedoch ein maritimer Hintergrund zu sehen. Die Wahl reicht von Piratenschiff bis Steuerstand. Das Ganze funktioniert mit der Bluescreen-Technik, das ermöglicht, Gegenstände oder Personen nachträglich vor einen Hintergrund zu setzen. 

Zusätzlich bieten die Stadtwerke Lübeck, zum achten Mal Sponsor der Travemünder Woche, Beratungen rund um die Energieversorgung des Haushalts an, von morgens 10 bis abends um 19 Uhr. Wer sein Glück herausfordern möchte, hat beim Gewinnspiel zum Beispiel die Chance auf Segeln mit einem Bundesliga-Team oder auf ein Gourmetessen in Tim Mälzers „Speisenwerft“, direkt neben dem Seglervillage.

Um 19 Uhr eröffnen die Segler der Jugendbootsklasse RS Feva ihre Weltmeisterschaft offiziell mit insgesamt 17 Nationen auf der Festivalbühne. Danach spielt „Liverpool“ – eine der weltweit besten Beatles Tribute Bands. Morgen ist dann die härteste Tanzkapelle der Welt wieder in Travemünde: „United Four“ ist Kult und beginnt um 18 Uhr ihre Show. Um 22.45 Uhr ist dann die Laser- und Pyroshow zu sehen. Illuminiert wird die Passat. 

Fun Open Euro Cup nach vier Rennen:

1. Roberto Benedetti (ITA) 1.0 2.0 1.0 3.0 7.0
2. Marco Redaelli (ITA) 2.0 1.0 4.0 4.0 11.0
3. Tobias Hoh (München) 4.0 4.0 3.0 1.0 12.0
4. Jan Kramer (Bad Zwischenahn) 3.0 5.0 2.0 2.0 12.0
5. Michael Kluin (Bad Zwischenahn) 8.0 3.0 5.0 9.0 25.0

1. Segel-Bundesliga:

1. Seglervereinigung Itzehoe 13 Punkte
2. Kieler Yacht-Club 14 Punkte
3. Flensburger Segel-Club 15 Punkte
4. Deutscher Touring Yacht-Club 18 Punkte
5. Norddeutscher Regatta Verein 18 Punkte

2. Segel-Bundesliga:

1. Bayrischer Yacht-Club 8 Punkte
2. Lindauer Segler-Club 10 Punkte
3. Segelclub Münster 13 Punkte
4. Segel-Club Ville 13 Punkte
5. Lübecker Segler-Verein 14 Punkte

Seebahn Mittelstrecke:

ORC Overall

1. „Ella“, Georg Westphal (Lübeck), 4.0
2. „Jennifer“, Swen Schnell (Borstorf), 7.0
3. „Lottchen“, Oliver Devrient (Berlin) 8.0
4. „Sportsfreund“, Axel Seehafer (Heiligenhafen) 11.0
5. „Noodles“ Ulrich Martens (Grevesmühlen) 12.0

ORCI

1. „Sportsfreund“, Axel Seehafer (Heiligenhafen), 2.0
2. „Nerorossovento“, Andreas Hundsdörfer (Hamburg), 4.0
3. XXL“, Hans Lebe (Lübeck) 8.0

ORCII

1. „Ella“, Georg Westphal (Lübeck), 2.0
2. „Jennifer“, Swen Schnell (Borstorf), 4.0
3. „Jambhala“, Oliver Ochse (Bad Zwischenahn), 8.0
4. „Pink X“, Christian Rosehr (Niendorf), 9.0
5. „Nightfever“, Jan Gröpper (Lübeck), 10.0

ORCIII

1. „Lottchen“, Oliver Devrient (Scharbeutz), 3.0
2. „Noodles“, Ulrich Martens (Grevesmühlen), 5.0
3. „Jacaranda“, Hinrich Klatt (Lübeck), 5.0
4. „Kuehnezug-Goldkatze“, Manfred Böttcher (Hamburg), 8.0
5. „Misty“, Michael Kock (Lübeck), 10.0

OSCI

1. „x-wärts“, Lars Schöppener (Lübow), 3.0 
2. „Grace“, Andreas Grasteit (Lübeck), 4.0
3. „Chica“, Christian Jäger (Lübeck), 6.0
4. „Marelan“, Fritz Schütt, 7.0
5. „GoFix“, Wilhelm Beckmann 11.0

OSCII

1. „Na Und“ Stefan Meining (Lübeck), 3.0
2. „Bannerrouge“, Hauke Haberlandt (Geesthacht), 4.0
3. „Masovia“, Arnd-Tido Ackermann (Lübeck), 5.0
4. „Padedö Likedehler“, Ralf Giercke (Lübeck ), 10.0
5. „Feinschliff“, Dirk Meiburg (Lübeck), 12.0

OSCIV

1. „Snabelstoen“, Björn Carstensen (Scharbeutz), 3.0
2. „Nossa“, Holger Hagemeister (Zarpen), 4.0 
3. „Seahorse“, Matthias Haller (Berlin), 5.0
4. „Make my day“ Olaf Mennerich (Lübeck), 8.0

Trias nach zwei Rennen:

1. Holger Köhne (Berlin) 1.0 1.0 1.0 3.0
2. Erwin Billig (Simmerath) 2.0 2.0 5.0 9.0
3. Mathias Strang (Mülheim) 3.0 4.0 3.0 10.0
4. Mario Fattorini (SUI) 6.0 5.0 4.0 15.0
5. Dr. Josef Assheuer (Köln) 5.0 3.0 8.0 16.0

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