Zwischen Gennaker-Glitsch und Kenterungen

Travemünde, 22.07.2015 von IBN

Die Böen rüttelten heftig an den Zelten der Aussteller zur Travemünder Woche, der Wind peitschte über die Lübecker Bucht: In Richtung Halbzeit der Segel- und Festivalwoche war an Land windfeste Kleidung gefragt und auf dem Wasser gute Seemannschaft.
Nach dem Abzug der heftigen Schauer am Morgen schien Besuchern und Seglern zwar die Sonne an diesem Dienstag, Wind bis 30 Knoten sorgte aber für einen anstrengenden Regatta-Tag, den Brian Schweder, der Gesamt-Wettfahrtleiter, am Abend aber so zusammenfasste: „Alles gut gelaufen!“

Dieses Urteil aus der Gesamtübersicht dürften einige RS-Feva-Segler allerdings mit Abstrichen versehen. Mussten die jungen Akteure aus 19 Nationen bei ihrer Weltmeisterschaft doch heftig mit den Bedingungen kämpfen. Rauschende Gennaker-Fahrten wechselten sich mit diversen Kenterungen ab. Den Top-Mannschaften aus Großbritannien konnte der Wind aber nichts anhaben. Sie zogen souverän ihre Bahnen über den Parcours und führen in einem Quartett das Gesamt-Klassement an. Iain Bird/Jake Hardmann stehen mit fünf Siegen in den sechs Wettfahrten vor Fin und Dan Armstrong sowie Jack Lewis/Tristan Payne an der Spitze. „Der Wind war herausfordernd für die Crews. Ich hatte da ein wenig Sorge. Aber Andy Schorr als Wettfahrtleiter hat die Bahn gut unter dem Brodtener Ufer ausgelegt. Damit gab es ein bisschen Windabdeckung“, berichtete Brian Schweder.

Nach den ersten beiden WM-Tagen haben die RS Feva ihre Qualifikationsrennen abgeschlossen. Ab Mittwoch wird in den Gold-, Silber- und Bronze-Flotten weiter gesegelt. Den WM-Titel machen damit die 54 Crews der Goldflotte untereinander aus. Die besten deutschen Mannschaften mussten sich mit dem Erreichen der Silberflotte begnügen. Die Flensburger Finn Lasse Andresen/Jannes Marquardsen liegen als 69. im nationalen Vergleich vorn, da sie im starken Wind einen fünften Platz einfuhren. Dagegen war es für die erfahrenen Feva-Schwestern Svenja und Anne Steinborn aus Würzburg zu viel Wind, sie rutschten auf Platz 72 ab, nachdem sie am ersten Tag noch mit dem Erreichen der Goldflotte geliebäugelt hatten. Die frisch in die Klasse eingestiegenen Lübecker Justus Sauer/Maurice Brost erfüllten als 84. und mit dem Erreichen der Silberflotte ihre Hoffnungen vollauf. „Nach dem achten Platz im Abschlussrennen des ersten Tages war die Euphorie sehr hoch. Aber angesichts der Windvorhersage wussten wir, dass es schwer werden würde“, berichtete Vater Axel Brost. Der Grund: Erst seit zwei Wochen segelt das Duo in der RS Feva, ist zudem für das Gennaker-Boot noch sehr leicht.

Mit mächtig Wind hatten die J/22 zum Auftakt ihrer Weltmeisterschaft, den Marinepool J/22 Worlds, zu kämpfen. Geplant waren für den ersten Tag drei Wettfahrten, bei 30 Knoten auf der Bahn wurden die Mannschaften aber nach zwei wieder in den Hafen geschickt. „Das ist immer keine einfache Entscheidung. Denn die Kielboote können einiges ab. Letztlich muss die Entscheidung aber vor Ort getroffen werden“, sagte Brian Schweder. Und vor Ort war die aktuell führende Crew um Steuermann Martin Menzner (Kiel) „heilfroh“, den Tag nach zwei Wettfahrten beenden zu können. „Das ist eigentlich nicht unser Wind, dafür sind wir 40 Kilogramm zu leicht“, sagte Menzner, der mit seinen Vorderleuten Frank Lichte und Christian Drews am Morgen noch zu Trimmschlägen auf das Wasser gegangen war. „Wir haben ein neues Groß, damit sind wir gar nicht zufrieden und haben noch an den Einstellungen gearbeitet. Es ging in die richtige Richtung. Optimal ist es aber nicht. Auf der Kreuz sind wir von den vorderen Mannschaften die langsamste. Down-Wind haben wir den Sieg in der ersten und den zweiten Platz in der zweiten Wettfahrt eingefahren.“ Gefolgt werden Menzner und Crew von den US-amerikanischen WM-Favoriten um Christopher Doyle und die Lübecker Crew von Svend Hartog.

Im kontinentalen Titelstreit der IC Canoe demonstrieren wie bei den Fevas die Briten ihre Überlegenheit. Von Platz eins bis vier steht das Nationenkürzel „GBR“ im Segel. Gareth Caldwell führt vor Christopher Hampe und Robin Wood. Arne Stahl aus Mardorf ist als Sechster der beste Segler aus dem Gastgeberland.

Ein Segler aus dem deutschen Norden führt bei der Deutschen Meisterschaft der Canoe Taifun. Claudius Junge aus Preetz hat hier nach fünf Wettfahrten den Bug vorn, es folgen Christopher Ossenkopp (Hildesheim) und Niklas Steimann aus Bad Segeberg.

Beeindruckend ist die Leistungsdemonstration von Sören Leinert (Storkow) bei den Laser Radial. Der Brandenburger hat nach vier Wettfahrten mit vier Siegen in den unterschiedlichen Windbedingungen alles im Griff unter den 63 Seglern seiner Klasse. Mit Respektsabstand folgen bei dieser Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft Christian Demleitner (Weiden) und Leonhard Hanisch (Detmold).

Deutlich enger geht es an der Spitze der Laser 4.7 zu, die mit dem etwas kleineren Segel für die jüngeren Segler gemacht sind und ebenfalls ihre Jugendbesten ermitteln. Punktgleich liegen Nico Naujock (Berlin) und der Waliser Benno Marstaller an der Spitze. Lasse Kaack aus Kiel hat als Dritter nach zwei von fünf Tagen beste Chancen auf eine IDJM-Medaille.

Beendet wurde die Travemünder Woche derweil für die Ranglisten-Regatten der Finns und Trias. Beide Klassen durften sich zum Abschluss noch einmal publikumsnah auf der SAP Medienbahn präsentieren und kürten unter fachkundiger Moderation überlegene Sieger. Die Familiencrew Holger, Uwe und Jan Köhne aus Potsdam war bei den Trias in den sieben Wettfahrten nur einmal zu schlagen. Doch diesen vierten Platz am vorletzten Tag konnten sie streichen. Mit einem Sieg, dem sechsten im Verlaufe der TW, verabschiedeten sie sich standesgemäß.

Auch Ulli Kurfeld beherrschte seine Konkurrenz fast nach Belieben. Der Wismarer führte in den acht Wettfahrten das Feld sechsmal als Sieger ins Ziel und war zweimal Zweiter. Damit hatte er am Ende satte 19 Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten Ralf Behrens (Wolfsburg).

Morgen wird dann auch die Politik ablegen: Und zwar beim Volksbank Rotspon Cup. Kontrahenten sind in diesem Jahr TW Schirmherr Torsten Albig und Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe. Nach einem Sieg bei der Jubiläums-TW im vergangenen Jahr konnte Bernd Saxe seine Bilanz im Volksbank Rotspon Cup leicht aufbessern. Aber immer noch stehen sieben Niederlagen vier Siegen gegenüber. Bereits 2011 trafen Saxe und Albig aufeinander. Damals war Albig noch Oberbürgermeister von Kiel. Das half ihm allerdings auch nichts – Saxe gewann. „Ich freue mich auf Torsten Albig, der schon bei der Eröffnung der Travemünder Woche dabei war. Das unterstreicht für mich die große Wertschätzung des Landes für diese großartige Segelsportveranstaltung mit dem schönsten Segelrevier der Welt, die Jahr für Jahr Segler und Publikum mit Segeln zum Greifen nah begeistert“. Saxe, der im Jahr 2004 in Anlehnung an die Entstehung der Travemünder Woche im Jahr 1889 das Rennen um eine große Flasche Rotspon wiederbelebt hatte, betont außerdem: „Wer von uns beiden am Ende gewinnt, ist nicht entscheidend. Dieser sportliche Wettkampf soll zeigen, wie schön, spannend und unterhaltend Segelsport für das Publikum ist, die das Rennen hautnah verfolgen können. Das wird wie immer Werbung pur für den Segelsport“! Albig setzt auf Verstärkung aus dem Wirtschaftsministerium – sein Staatssekretär, Dr. Frank Nägele wird mit in seiner Crew sein.

 

Ergebnisse:

Marinepool J 22 Weltmeisterschaft nach zwei Rennen (Ergebnisse unter Vorbehalt – am Abend liefen noch Proteste): 

1. Martin Menzner (Stein) 1.0 2.0 3.0
2. Christopher Doyle (USA) 3.0 1.0 4.0
3. Svend Hartog (Lübeck) 2.0 3.0 5.0
4. Jean-Michel Lautier (NED) 4.0 4.0 8.0
5. Kim Brandt (Lübeck) 6.0 6.0 12.0

RS Feva Weltmeisterschaft nach sechs Rennen (Ergebnisse unter Vorbehalt – am Abend liefen noch Proteste): 

1. Iain Bird / Jake Hardman (GBR) (3.0) 1.0 1.0 1.0 1.0 1.0 5.0
2. Fin Armstrong / Dan Armstrong (GBR) 1.0 (4.0) 1.0 2.0 1.0 1.0 6.0
3. Jack Lewis / Lucas Marshall (GBR) 1.0 1.0 1.0 1.0 (5.0) 4.0 8.0
4. Daniel Lewis / Tristan Payne (GBR) 1.0 2.0 (13.0) 2.0 2.0 2.0 9.0
5. Simonas Jersovas / Vejas Strelciunas (LTU) (5.0) 1.0 3.0 4.0 4.0 2.0 14.0

Canoe IC Europameisterschaft nach fünf Rennen:

1. Gareth Caldwell (GBR) 1.0 1.0 (6.0) 4.0 2.0 8.0
2. Christopher Hampe (GBR) 3.0 (5.0) 4.0 1.0 1.0 9.0
3. Robin Wood (GBR) 2.0 2.0 1.0 7.0 (26.0) 12.0
4. Philip Robin (GBR) 4.0 3.0 2.0 6.0 (26.0) 15.0
5. Charlie Chandler (AUS) 6.0 6.0 3.0 2.0 (26.0) 17.0

Canoe Taifun Deutsche Meisterschaft nach fünf Rennen:

1. Claudius Junge (Preetz) (2.0) 1.0 1.0 1.0 2.0 5.0
2. Christopher Ossenkopp (Hildesheim) 3.0 2.0 (4.0) 2.0 1.0 8.0
3. Niklas Steimann (Bad Segeberg) 1.0 5.0 3.0 (6.0) 5.0 14.0
4. Johannes Meyer (Hemelingen) 8.0 3.0 2.0 4.0 (21.0) 17.0
5. Moritz Kruse 5.0 (7.0) 7.0 7.0 3.0 22.0

Laser Radial Deutsche Jugendmeisterschaft nach vier Rennen:

1. Sören Leinert (Storkow) 1.0 1.0 1.0 1.0 4.0
2. Christian Demleitner (Weiden) 7.0 5.0 2.0 7.0 21.0
3. Leonhard Hanisch (Detmold) 3.0 12.0 3.0 4.0 22.0
4. Tim Schlag (Königs Wusterhausen) 4.0 3.0 8.0 8.0 23.0
5. Nicolas Thierse (Berlin) 9.0 2.0 13.0 3.0 27.0

Laser 4.7 Deutsche Jugendmeisterschaft nach vier Rennen:

1. Nico Naujock (Berlin) 1.0 6.0 1.0 1.0 9.0
2. Benno Marstaller (GBR) 2.0 1.0 2.0 4.0 9.0
3. Lasse Kaack (Dänischenhagen) 3.0 7.0 3.0 2.0 15.0
4. Tim Conradi (Düsseldorf) 5.0 3.0 7.0 8.0 23.0
5. Noah Lee Piotraschke (Bad Bederkesa) 4.0 4.0 6.0 14.0 28.0

Finn Dinghy final:

1. Ulli Kurfeld (Wismar) 1.0 (2.0) 1.0 1.0 1.0 1.0 2.0 1.0 8.0
2. Ralf Behrens (Velpke) 4.0 4.0 (6.0) 4.0 2.0 4.0 6.0 3.0 27.0
3. Dirk Meid (Mendig) 3.0 1.0 5.0 2.0 3.0 (32.0) 3.0 14.0 31.0
4. Martin Hofmann (Menden) 2.0 6.0 (8.0) 3.0 7.0 2.0 7.0 7.0 34.0
5. Jan-Dietmar Dellas (Oldenburg) 5.0 3.0 2.0 5.0 5.0 (32.0) 4.0 15.0 39.0

Trias final:

1. Holger Köhne (Berlin) 1.0 1.0 1.0 1.0 1.0 (4.0) 1.0 6.0
2. Mario Fattorini (SUI) (6.0) 5.0 4.0 2.0 2.0 3.0 2.0 18.0
3. Erwin Billig (Simmerath) 2.0 2.0 (5.0) 3.0 4.0 2.0 5.0 18.0
4. Mathias Strang (Mülheim) 3.0 4.0 3.0 (6.0) 3.0 1.0 6.0 20.0
5. Dr. Josef Assheuer (Köln) 5.0 3.0 (8.0) 4.0 5.0 6.0 3.0 26.0