Katastrophen-Schutz

Abgebrannt

Radolfzell, 12.04.2011 von Michael Häßler

Es ist wie mit der Rettungsinsel: Die meiste Freude hat man daran, wenn es eigentlich gar keinen Grund gibt, sich zu freuen.

 

Ansonsten sind Versicherungsangelegenheiten für viele Personen vorwiegend lästig, kosten Geld und sollten von Zeit zu Zeit hinterfragt werden, ob die aktuelle Vertragsgestaltung noch sinnvoll ist. Das ist bei Bootsbesitzern nicht anders als bei anderen Bevölkerungsgruppen auch.
Qualitativ hochwertige Versicherungsangebote gibt es viele, und wer einen optimalen Versicherungsschutz sucht, sollte die Details vergleichen. Das heißt nicht, dass ein Anbieter generell besser oder schlechter als ein Anderer wäre. Das zeigt sich erst bei der Schadensregulierung. Das Angebot muss aber zu den persönlichen Ansprüchen passen. So ist es für einen Regattasegler ein klares Ausschlußkriterium, wenn ein Versicherungvertrag kein Regattarisiko einschließt, während für Motorbootfahrer oder jemand, der Wettfahrten konsequent meidet, dieser Aspekt überhaupt keine Rolle spielt. 
Für diese Personengruppe könnte dagegen eine eingeschlossene Fahrtgebietserweiterung interessanter sein, vor allem wenn ein Trailerboot versichert werden soll, das im Urlaub ans Mittelmeer transportiert wird. Auch sind nicht in allen Versicherungsverträgen Risiken beim Wasserskifahren abgedeckt.
Auch ob der Transport des Bootes, Ein- und Auswassern, der Trailer oder der Aufenthalt im Winterlager mitversichert ist, sollte im Einzelfall geklärt sein.
Es kommt also auf maximale Übereinstimmung der angebotenen Leistungen mit den persönlichen Verhältnissen an. Dabei kann es sein, dass ein Vertragspaket durchaus interessant ist, obwohl es Leistungen enthält, die vom Versicherungsnehmer überhaupt nicht in Anspruch genommen werden können. Das könnte beispielsweise bei Standardpaketen für bestimmte Reviere oder Bootsklassen der Fall sein, die wegen ihrer Einheitlichkeit mit wenig Verwaltungsaufwand verbunden sind.
Die Beitragshöhe kann manchmal durch eine Selbstbeteiligung gemindert werden. Hier gilt das Prinzip, nur jenes Risiko abzusichern, das einen finanziell „aus der Bahn werfen“ würde. Bagatellen zu versichern lohnt sich eigentlich nie, weil die Versicherung nicht nur Schadenssummen sondern auch ihren Personalaufwand einpreisen muss.
Auch Revierbeschränkungen sind möglich. So bieten manche Gesellschaften spezielle „Bodensee-Verträge“ an und kalkulieren den Beitrag auf der Basis der revierbezogenen Schadenssummen. Auch Spezialtarife, beispielsweise für Mitglieder von Wassersportclubs oder Verbänden findet man manchmal, weil die Gesellschaften festgestellt haben, dass dieser Personenkreis weniger Schäden produziert. 
Haftpflichtversicherung
Ganz grob kann man sagen, dass es bei Bootsversicherungen „Pflicht“ und „Kür“ gibt. Zur Pflicht zählt in jedem Fall eine Haftpflichtversicherung, die Dritte entschädigt, wenn einem selbst ein Missgeschick passiert ist. Auch wenn diese Versicherung, zumindest in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, muss in vielen Fällen dem Liegeplatzbetreiber ein Versicherungsschutz nachgewiesen werden. Auch wäre es töricht und Verantwortungslos, auf eine Haftpflichversicherung zu verzichten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit einer 40-Fuß Yacht oder mit dem Optimisten unterwegs ist. Auch mit dem Opti kann der Filius erheblichen Schaden anrichten, wenn er in seiner Unerfahrenheit an der edel lackierten Außenhaut des aufwändig restaurierten Oldtimers entlang schrammt. 
Kaskoversicherung
Eine Teil-, oder Vollkaskoversicherung kann insbesondere in solchen Fällen sinnvoll sein, in denen das Boot einen großen Wert darstellt. Man muss hier gar nicht den Totalverlust durch Winterlagerbrand oder andere „große Katastrophen“ beschwören, auch eine „kleine Katastrophe“ wie beispielsweise ein Mastbruch kann den Eigner schnell an seine finanzielle Leistungsfähigkeit führen. Oft kostet ein neues Rigg mehr, als das ganze Boot gebraucht gekostet hat und oft sind die finanziellen Reserven des Eigners mit dem Gebrauchtbootkauf erschöpft.
Nach den Vorfällen im letzten Sommer am Untersee ist auch Vandalismus und Diebstahl in den Fokus geraten. Auch wenn die Wapo allgemein gute Arbeit geleistet hat, gab es durchaus auch Fälle von Sachbeschädigung und Diebstahl, die nicht aufgeklärt wurden und die nicht auf das Konto der beiden, im letzten Winter gefassten jugendlichen Täter gehen.
Genau das sind die Fälle, bei denen eine Kaskoversicherung sinnvoll ist. Es sind die großen Schäden, diejenigen die wirklich weh tun und bei denen man sich überlegt, ob man sich die Reparatur überhaupt leisten kann oder möchte. Deswegen ist auch eine angemessene Selbstbeteiligung sinnvoll, die Bagatellschäden ausschließt und den Beitrag merklich vermindert. Was man mit vertretbarem Aufwand selbst leisten kann, sollte man nicht versichern. Die sinnvolle Grenze hängt dabei von völlig individuellen Voraussetzungen ab.
Trailerversicherung
Ob eine Trailerversicherung sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Gegebenheiten ab. Der Anhänger ist normalerweise in der KfZ-Versicherung eingeschlossen, solange er mit dem Auto verbunden ist oder mit diesem verbunden sein sollte. Ist er nicht mit dem Auto verbunden und steht das Boot auf dem Anhänger, ist dieses Risiko oft durch die Bootsversicherung abgedeckt. 
Anders kann es aussehen, wenn sich der Anhänger ohne Boot auf dem Winterlagerplatz „selbständig macht“ und dort Schaden anrichtet. Dieses Risiko deckt eine spezielle Trailerversicherung. Die genauen Bedingungen müssen im Einzelfall abgeklärt werden.
Für Charterer
Die Charterversicherung deckt verschiedene Risiken im Zusammenhang mit Charterverträgen ab. Insbesondere sind das Haftpflichtansprüche der Crew gegenüber dem Skipper, wenn es beispielsweise auf einem Törn zu Personenschaden kommt. Es ist auch möglich, dass diese Versicherung die Deckungssumme der Bootshaftpflichtversicherung aufstockt oder die Regulierung von Schäden auch bei grober Fahrlässigkeit übernimmt. Sie sollte immer dann greifen, wenn andere Versicherungen für die Regulierung eines Schadens nicht zuständig sind, für die der Skipper aber verantwortlich gemacht werden kann. Auch der Gebrauch des Beibootes sollte ebenso eingeschlossen sein wie die Haftung bei Charterausfall, weil das Boot in die Werft muss oder von einer Behörde beschlagnahmt wird.
Eine Charter-Rechtschutzversicherung deckt Kosten ab, die durch Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit einer Charter entstehen. Unter Umständen gilt diese auch für die Mannschaft.
Die Kautionsversicherung deckt den Verlust der hinterlegten Kaution bei einem Charterboot ab. Sie kann unangenehme Diskussionen innerhalb der Crew vermeiden, weil diese gesamtheitlich für Schäden haftet.
Muss ein geplanter Charterurlaub kurzfristig abgesagt werden, beispielsweise weil der Skipper erkrankt und diese Position von keinem anderen Crewmitglied übernommen werden kann, deckt die Reiserücktrittsversicherung die Kosten aus dem Chartervertrag. Auch der Flug zum Charterrevier und eventuelle Hotelbuchungen können versichert werden.
Unverzichtbar für Charterer ist eine ergänzende Auslandsreiseversicherung, die beispielsweise Überführungskosten übernimmt oder Mehrkosten für medizinische Behandlung im Ausland.
Billig oder günstig?
Manche Versicherungen neigen bei ihrer Außendarstellung gern zu Superlativen. Davon sollte man sich genau so wenig blenden lassen wie vom Aktionismus dampfplaudernder Jungdynamiker oder von ominösen Rabatten. Nicht die Gesellschaft, die die höchsten Rabatte einräumt ist die billigste, sondern die Gesellschaft, bei der man am wenigsten bezahlt. Und ob die billigste Versicherung gleichzeitig auch die Günstigste ist, zeigt sich erst bei einem eingetreten Schaden. Der Kunde erwartet, dass sich der Ansprechpartner vor Ort tatsächlich als Partner zeigt, und seine Aufgabe nicht nur in der Abwehr von Ansprüchen gegen die Versicherungsgesellschaft sieht. Der Kunde erwartet, dass sich dieser engagiert um die Regulierung eines entstandenen Schadens kümmert und er selbst nicht mit juristischen Spitzfindigkeiten allein gelassen wird, von denen er keine Ahnung hat. 
Er erwartet nicht, dass die Versicherung die Regulierung eines objektiv entstandenen Schadens mit juristischen Winkelzügen von sich weist. Solche Situationen sind auch deswegen oft heikel, weil der Geschädigte nicht selten ein persönlich befreundeter Clubkollege des Schädigers ist. Eine Versicherung, die sich aus ihrer Verantwortung zu winden versucht, braucht niemand, schon gar nicht in der überschaubaren Wassersportwelt wo jeder fast jeden kennt. Was juristisch mit viel Wohlwollen vielleicht noch „durchgeht“, muss nicht automatisch als Recht empfunden werden. 
Auf diesem Gebiet gibt es immer wieder Diskrepanzen. Wenn der Versicherungsnehmer letztlich den Vereinskollegen aus seiner moralischen Verpflichtung heraus aus eigener Tasche entschädigt, hätte er sich die Versicherungsbeiträge sparen können.
Deswegen ist ein verlässlicher und seriöser Ansprechpartner vor Ort meistens wertvoller als alle Rabatte und Versprechungen auf einmal genommen. Dessen Engagement und Solidität ist sicherlich das wichtigste Kriterium für die Auswahl einer Versicherungsgesellschaft.

 

Erfahrungen mit Gallion Versicherungskontor

Habe mein (Bodensee-) Schiff bei Gallion Versicherungskontor in Sindelfingen versichert. Die waren in meinem Vergleich die günstigsten. Absicherung erfolgt wohl über die Allianz. Hatte jedoch - zum Glück - noch keinen Schaden. Hat jemand Erfahrungen, wie die in der Schadensabwicklung sind? Freue mich über Berichte.
Funtastic! am 12.04.2011 14:59:12
Kommentare dieses Artikels als Feed

Optionen

Bilder (4)

Weitere Infos

VersicherungsGlossar Allgefahren-Deckung: Es sind alle Risiken versichert, die nicht ausdrücklich ausgeschlossen sind. Das Gegenteil davon wäre, dass nur solche Risiken versichert sind, die ausdrücklich beschrieben sind. Feste Taxe: Das ist der Versicherungswert des Bootes, der bei Totalverlust erstattet wird, ohne Berücksichtigung des Alters oder Pflegezustand. Neu für Alt: Bei Teilschäden werden alte Teile ohne Abzug durch Neue ersetzt. „Rabattretter":Vereinbarung, dass ein einmaliger Schaden bei langjährigen Kunden nicht zum Verlust des Schadensfreiheitsrabattes führt. Schadenfreiheitsrabatt: Dieser senkt den Versicherungsbeitrag. Selbstbeteiligung: Wird oft bei Kaskoversicherungen vereinbart und senkt die Beitragssumme durch Ausschluß von Bagatellschäden.

Mehr zum Thema