Wilfried Erdmann in Friedrichshafen und Überlingen

Erdmann Titel

Radolfzell, 02.01.2018 von IBN

Wilfried Erdmann, bekannter Segler mit mehreren Weltumrundungen kommt zu einem Tonbildvortrag am 1. März zum Württembergischen YC nach Seemoos. Am 2. März ist er Überlingen Nußdorf im Dorfgemeinschaftshaus Gast der Seglergemeinschaft Überlingen (SGÜ).

Es war eine unglaubliche Herausforderung: In 343 Tagen segelte Wilfried Erdmann, in Schleswig-Holstein zu Hause, alleine und nonstop gegen die vorherrschende Windrichtung um die Welt. Von Cuxhaven nach Cuxhaven, 32000 Seemeilen an Bord seiner Aluminium-Yacht KATHENA NUI, nur Wind und Wellen. Sturm und Flaute, Hitze und Kälte. Eine Reise der Extreme und Superlative durch brüllende Südpolarstürme, geprägt von Angst und Einsamkeit. Ein Unternehmen, das den Weltumsegler seine Grenzen erleben ließ, körperlich zermürbt durch Hunger, Verletzungen und die Gewalt der Elemente, seelisch am Limit nach elfeinhalb Monaten in ständiger Bewegung. Ist Erdmann doch durch die antarktische See gesegelt mit dem kleinsten Boot, das diesen Kurs jemals versucht hat.

Gegen den Wind um den Erdball, dieses Wagnis hatten erst vier Segler geschafft. Der erste Deutsche ist er sowieso. „Man muss schon etwas unvernünftig sein, um sich mit einem zehneinhalb Meter langen Segelboot monatelang gegen den Wind zu stellen,“ schreibt der Extremsegler in sein Log-Tagebuch.

343 Tage nichts als Wasser. Was wird uns der Weltumsegler von einer Bootsreise mit soviel Seewasser berichten? Ohne Landgang. Ohne fremde Kulturen. Ohne Palmenstrände. Gut. Gesehen hat er die berüchtigten Kaps – Kap Hoorn und Kap der Guten Hoffnung – aber nur in weiter Entfernung. Gesehen hat er auch kleinere Fische, zwei Haie, Delphine, eine Schildkröte und Vögel. Massig viele Vögel. Meist Albatrosse und artverwandte Sturmvögel. Stille Begleiter. Sie geben nämlich keinen Pieps von sich.

Stille herrschte trotzdem selten. Wind und See pfiffen und schäumten um das kleine Schiff. Monsterwellen, die, von Stürmen getrieben, sein Boot wie von einem Kran herunterkrachen ließen. „Über uns stürzen Wellen mit einer Wucht zusammen, die einem die Luft zum Atmen nimmt. Das kann man sich kaum vorstellen, Wellenberge höher als das höchste Haus in meinem Dorf.“ Die Fahrt war lang und hart. Und schräg. Dauerschräglage über Monate. Und nass war es. Aber es gab auch fabelhafte Seetage. Die Fahrt brachte mehr Freud als Leid. Darüber berichtet Wilfried Erdmann in seiner Tonbildschau. 90 Minuten mit einzigartigem Fotomaterial. Bilder, die aus einer Mischung von Draufgängertum und Sensibilität leben. Dafür hat er erheblichen Aufwand betrieben, viel Mühe investiert. Neben den üblichen See- und Bootsaufnahmen hat er per Fernauslöser sich selbst bei verschiedenen Tätigkeiten sowie Stimmungs- und Wettersituationen aufgenommen. Und zu sehen: Sturmsequenzen von erschreckender Realität.

Der einsame Segler erlaubt dem Zuschauer einen Blick in sein Innerstes – solche Offenheit erfordert großen Mut, dass Erdmann diesen mehr als die meisten Menschen besitzt, hat er mehrfach bewiesen.