MALIZIA ALS ERSTE YACHT IM ZIEL

Lind

Hamburg, 18.07.2018

Nach einem fast zehntägigen Bug-an-Bug-Rennen von zwei Mitgliedern des Norddeutschen Regatta Vereins, gewinnt die IMOCA 60 schlussendlich die Atlantic Anniversary Regatta nach gesegelter Zeit

„Das war ein Duell auf Messers Schneide“, sagte der deutsche Skipper Boris Herrmann direkt hinter der Ziellinie erleichtert, „die ganze letzte Nacht auf See waren wir uns nicht sicher, ob es reichen würde.“

Es war das letzte Kapitel einer eindrucksvollen, 3.500 Seemeilen langen Jagd: Jens Kellinghusens Varuna VI und Boris Herrmanns Malizia - Yacht Club Monaco. Beide sind renommierte Mitglieder des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV), der das Rennen mit 17 Hochseeyachten anlässlich des 150. Jubiläums des Yachtclubs ausgerichtet hat. Am Ende war Malizia doch etwas schneller und erreichte als erste Yacht nach gesegelter Zeit das Ziel. Nach korrigierter Zeit, kann Varuna das Rennen in der Gruppe IRC Zero derzeit jedoch temporär für sich entscheiden.

In den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2018 erreichte Malizia gegen 03:54 Uhr UTC die deutsche Ziellinie, gefolgt von Varuna gegen 04:48 Uhr UTC - nur weniger als eine Stunde hinter ihrem Hauptkonkurrenten, trotz Tausender Seemeilen. Mit dem Ende dieses Hochsee-Wettkampfes, bahnt sich gleichzeitig der nächste an: NYM 54 Teasing Machine und TP52 Rockall V haben bereits den Englischen Kanal erreicht und haben noch die Chance auf Platz zwei und drei in der Kategorie IRC Zero - und das vor Malizia! Es bleibt weiterhin hochspannend: In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die beiden etwas kleineren Boote die IMOCA 60 vom IRC Zero Siegertreppchen verdrängen können.

Zehn Tage lang zeigten die beiden Top-Favoriten Varuna und Malizia Match-Racing vom Feinsten, Bug-an-Bug von Bermuda nach Hamburg bei der Atlantic Anniversary Regatta.

Das spannende Duell zwischen Boris Herrmann auf der semi-foilenden IMOCA 60 und Jens Kellinghusen auf der Ker 56 mit "Canting Keel" blieb auch am Vorabend der Entscheidung noch völlig offen. Seit Bermuda wechselte die Führung mehrfach. Am Dienstagabend hatte die Crew der Malizia den Bug lediglich 14 Seemeilen voraus. „Wir segelten Seite an Seite mit Varuna seit Land's End [England] und kämpften mit allem was wir haben…“, kommentierte der geborene Oldenburger Boris Herrmann live von Bord.

Am gleichen Tag, nur noch knapp 200 Seemeilen vom Ziel entfernt, ergriff Boris Herrmann die Chance und manövrierte sich weg von Jens Kellinghusens Varuna, wodurch Malizia als erste Yacht die Ziellinie in Cuxhaven überquerte. Zuvor hatte Malizia bei diesem Rennen bei idealen Windbedingungen Geschwindigkeiten von bis zu 28 Knoten erreicht und konnte daher teilweise sogar semi-foilen.

Es war ein Finale auf seglerisch höchstem Niveau von zwei hochmodernen Rennyachten zweier deutscher Skipper des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV): Jens Kellinghusens schlanke, tiefschwarze Ker 56 Varuna VI gegen Boris Herrmanns futuristische IMOCA 60 Malizia - Yacht Club Monaco. Kellinghusens Crew setzte sich auch aus America's-Cup- und Volvo Ocean Race-Seglern wie Tim Daase und Guillermo Altadill zusammen, während Herrmanns Mannschaft aus nur vier weiteren Seglern bestand, allesamt Amateure oder Semi-Profis. Beide Crews waren hochmotiviert und der Wettbewerb kitzelte in den Seglerfingern, denn die AAR war für sie mehr als nur eine übliche Offshore-Regatta. Für die Skipper und einen Großteil der Crews bedeutete das Rennen eine seltene Heimkehr nach Deutschland und barg zudem die Möglichkeit, ihre langjährige Mitgliedschaft im Norddeutschen Regatta Verein (NRV) anlässlich des 150-jährigen Jubiläums zu ehren.

Darüber hinaus könnte die Atlantic Anniversary Regatta das letzte Rennen dieser Art für Varuna gewesen sein, zumindest was die bestehende Crew um Eigner und Steuermann Jens Kellinghusen betrifft, der in diesem Monat außerdem seinen Geburtstag feiert. „Diese Regatta war für eine Reihe hoch qualifizierte Rennteams interessant  und es ist immer gut starke Konkurrenz zu haben.“ sagte Vasco Ollero aus der Varuna-Crew. "Die Basis vom Team ist deutsch, wir haben fast alle auf der Elbe segeln gelernt. Für uns ist es auch eine Art Heimkehr, wir kommen zurück nach Hause. Es ist eventuell auch das letzte Event für dieses Boot, zumindest mit uns, und wenn das der Abschluss sein sollte, ist das sehr schön nach Hamburg zu kommen, und die Elbe hochzufahren. Das Boot ist die letzten Jahre immer nur unterwegs gewesen, selten in Deutschland, viele Leute aus unserem Verwandten- und Bekanntenkreis haben das Boot noch nie live gesehen. Es ist also auch eine Möglichkeit, das Boot allen zu zeigen und in Hamburg vor die Elbphilharmonie zu legen", so Ollero weiter.