Finn-Dinghies segeln um die deutsche Meisterschaft

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Friedrichshafen, 01.08.2018 von IBN

Vom 7. bis zum 12. August wird der Württembergische Yacht-Club (WYC) die Internationale Deutsche Meisterschaft der olympischen Finn-Dinghy-Klasse ausrichten. 68 Teilnehmer aus sechs Nationen werden in Seemoos erwartet.

Zehn Wettfahrten sind geplant, die erste soll am Mittwoch, 8. August, um 13 Uhr gestartet werden; am Tag vorher beginnt die Registrierung und Kontrollvermessung. Als Wettfahrtleiter konnte der WYC Fabian Bach gewinnen, der schon in dieser Funktion bei den Olympischen Spielen in Rio war und bei der Kieler Woche (dort seit diesem Jahr auch als Chef-Wettfahrtleiter) aktiv ist. Auf die Einhaltung der Regeln wird eine Jury achten, die Mathias Rebholz (WYC) leitet.

Die Finns werden in zwei Gruppen starten, etwa zur Halbzeit wird dann in eine Gold- und Silber-Flotte aufgeteilt. Am Sonntag, 12. August, werden die besten zehn Teilnehmer der Gold-Flotte ein Medal Race segeln, alle anderen Teilnehmer werden ebenfalls eine finale Wettfahrt segeln.

Als Viertem der aktuellen Rangliste kommt André Budzien (Schweriner YC) die Favoritenrolle zu (die ersten drei sind gerade bei der Weltmeisterschaft in Dänemark). Zum Favoritenkreis zählt sicherlich auch Fabian Lemmel (SV03), der gerade erst die Travemünde Woche gewonnen hat und in der Rangliste der Finn-Dinghies an sechster Stelle steht. „Das ist wirklich die anspruchvollste Klasse, die ich kenne. Man wird physisch sehr gefordert und muss auch taktisch sehr klug agieren“, sagte der 49-jährige aus Berlin, der seit elf Jahren im Finn segelt, nach seinem ersten Sieg auf der Ostsee.

Als weitere Spitzensegler aus den Top-15 der Rangliste sind Claus Wimmer (SC Laacher See Mayen), Rainer Haacks (FS Dortmund), Uli Breuer (YC Rursee) und Nicolas Thierse (Joersfelder SC) zu nennen. Nur eine Frau steht auf der Meldeliste: Sabine Breuer (YC Rursee), die mit ihrem Mann vor Jahren schon Deutsche Meisterin im Kielboot Dyas war.

Die lokale Aufmerksamkeit ist sicherlich Peter Ganzert gewiss, der als Landestrainer des LSV Baden-Württemberg seinen Arbeitsplatz in Seemoos hat und dadurch eine gewissen Vorsprung in der Revierkenntnis hat.

Dank einer Wildcard meldete zuletzt noch Jochen Frik. Für den 75-jährigen Allrounder vom WYC (Bootsbauer, Segelmacher, Masseur, Schnellsegler, Trainer) war in seiner Jugendzeit der Finn das Größte. Das Leichtgewicht war auf Leichtwindrevieren kaum zu schlagen. Für die IDM kehrt er noch einmal zu seiner Jugendliebe zurück.

Wie die Segler aus Polen, der Tschechischen Republik, Frankreich, Österreich und der Schweiz einzuschätzen sind, wird sich nach den ersten Wettfahrten zeigen.

Das Finn-Dinghy

Das Finn-Dinghy ist 4,5 Meter lang, 1,5 Meter breit und rund 116 Kilogramm schwer. Es wird von einer Person alleine gesegelt. Die Segelfläche des Großsegels, dem einzigen Segel der Jolle, beträgt zehn Quadratmeter. Das Finn-Dinghy ist seit 1952 durchgehend olympische Bootsklasse in der Kategorie „Schwergewicht Einhand Männer“. Das hohe Gewicht des Rumpfes verleiht dem Boot vor allem Stabilität, eine lange Lebensdauer und Wertbeständigkeit. In jahrzehntelanger wissenschaftlicher Tüftelei und Experimentierarbeit wurde herausgefunden, wo die Rumpfstrukturen flexibler und wo sie steifer ausgestattet werden müssen, um optimale Segeleigenschaften zu erzielen. Modernste Kunststofftechnologie machte diese Entwicklung möglich. Größtes Experimentierfeld waren jedoch Mast und Segel. Hier sind Carbon-Masten und Foliensegel erste Wahl. Das Boot reagiert empfindlich auf den Gewichtstrimm und muss bei Wind hart ausgeritten werden. Ein Körpergewicht von 80 bis 100 Kilogramm und durchtrainierte Kondition sind erforderlich, um den Finn erfolgreich zu segeln. Da die Geschwindigkeitsunterschiede gut getrimmter Finns relativ gering sind und das Boot schnelle Manöver zulässt, kommt der Taktik entscheidende Bedeutung zu.

„Die Klasse hat viele Vorteile, zum Beispiel, dass auch ältere Boote durchaus noch national konkurrenzfähig sind“, sagt Uwe Barthel, der Vorsitzende der Deutschen Finnsegler-Vereinigung.

Der Württembergische Yacht-Club (WYC)

Als „Königlich Württembergischer Yacht-Club“ wurde der gastgebende Verein 1911 von S.M. König Wilhelm II. von Württemberg mitbegründet. Der Club hatte schon im Jahr 1912 einen großen Yachthafen in Friedrichshafen erbaut. Der Verein wuchs schnell, musste nach dem Krieg Hafen und das Clubhaus dort völlig neu aufbauen. Die größten Erfolge holten die Brüder Jörg und Eckart Diesch im Flying Dutchman (FD), gekrönt durch die Goldmedaille 1976 in Montreal/Kingston. Seither waren Segler(innen) des WYC neun Mal bei Olympischen Spielen dabei, zuletzt 2016 in Rio der Surfer Toni Wilhelm (Platz sechs). Aktuell unterstützt der WYC die Olympia-Kampagne des 470er-Seglers Simon Diesch.

Das Jollengelände des WYC in Seemoos wird seit den 1960er Jahren genutzt. Auf dem weitläufigen Areal befindet sich auch eine große Winterlagerhalle mit Schulungs- und Trainingsräumen, die vom Landesverband als Landesleistungszentrum (LLZ) genutzt werden. Das Clubhaus des WYC in Seemoos wurde 2015 neu errichtet.

Heute hat der WYC 1136 Mitglieder (Präsident ist Oswald Freivogel) und ist damit der größte Segelverein in Baden-Württemberg.

www.wyc-fn.de