WM-Tickets an den Nachwuchs vergeben

Kiel, 14.06.2011 von IBN

Die Entscheidungen bei der Kieler Woche des Nachwuchses, den Young Europeans Sailing (YES), sind gefallen, die sieben Tickets für die ISAF-Jugendweltmeisterschaft vergeben und die fünf Deutschen Juniorenmeisterschaften entschieden.

Ab Samstag, 18. Juni, folgt jetzt die Kieler Woche mit der zweiten Ausscheidungsserie für die deutschen Olympiahoffnungen für die Spiele 2012 in Weymouth (Großbritannien). „Die Jugendveranstaltung hat trotz aller Wetterkapriolen viel Spaß gemacht. Es war eine perfekte Einstimmung auf die Kieler Woche“, so Organisationsleiter Jobst Richter am Pfingstmontag nach der Siegerehrung.
 
Die Kieler Woche des Nachwuchses, die Young Europeans Sailing, wächst und wächst. Insgesamt starten in diesem Jahr auf den fünf Regattabahnen mehr als 900 Seglerinnen und Segler aus 14 Nationen. „Es war die absolut richtige Entscheidung, sich vom traditionellen Pfingstbusch mit den Kielboot-Klassen zu trennen und ganz bewusst auf die Jugend zu setzen“, so Organisationsleiter Jobst Richter. Der 59-Jährige hat vor zwei Jahren die entsprechende Entscheidung des Kieler Yacht-Clubs und des Norddeutschen Regatta Vereins umgesetzt. Mit der Unterstützung des Deutschen Segler-Verbandes, der ganz bewusst Jugendmeisterschaften und Ausscheidungen für die ISAF-Jugendweltmeisterschaft nach Kiel zu den YES vergibt, haben sich die Young Europeans Sailing im dritten Jahr zu einer der größten Jugendsegel-Veranstaltungen der Welt entwickelt. Und so lockte die Kieler Woche des Nachwuchs in diesem Jahr nur eine Woche vor der Kieler Woche (18. bis 26. Juni) durch die hochkarätige deutsche Segel-Jugend Konkurrenz aus 13 Ländern nach Kiel. „Es ist ein schönes Gefühl, dass Qualität und Quantität zeigen, dass wir alles richtig gemacht haben“, so Richter.
 
Natürlich stand über Pfingsten der Kampf um die sieben Tickets für die Jugend-Weltmeisterschaft des Weltsegler-Verbandes (ISAF/vom 7. bis 16 Juli in Zadar/Kroatien) im Mittelpunkt der Young Europeans Sailing. Nach drei Tagen mit ganz unterschiedlichen Bedingungen wie Flaute, Sonne, Regen und Wind stand fest: Benedikt Hattich (Lübeck/RS:X), Max Stein (Ulm/Laser Radial männlich), Ann Kristin Wedemeyer (Mühlheim/Laser Radial weiblich), Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel/29er offen), Malte Winkler/Lucas Thielemann (Zapel-Hof/Schwerin/420er männlich) und Paulina Rothlauf/Madlen Geisler (München/420 weiblich) haben es geschafft.
 
29er
Dass der Gesamtsieg über Pfingsten an die Dänen ging, die die Plätze eins und zwei belegten, war für den deutschen Nachwuchs Nebensache. Denn hier ging es um Qualifikation zur ISAF-Jugend-WM, und die war extrem eng. Erst mit der letzten Wettfahrt konnten sich Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel) den Sieg sichern. Hatte Paul Kohlhoff am Vortag hauptsächlich auf die Flensburger Konkurrenz Nils Carstensen/Jan Frigge geachtet, schlichen sich die Rosenheimer Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger zwischenzeitlich bis auf drei Punkte an die Kieler herran. „Es stehen noch Proteste aus. Noch ist es nicht endgültig“, wollte Kohlhoff keine Gratulationen annehmen. Der 15-Jährige ist in solchen Momenten eben abergläubisch wie die Großen, dabei hatten Kohlhoff/Werner auf dem Wasser Nerven bewiesen und Glück gehabt. „Mit einer Böe haben wir 20 Plätze gut gemacht“, so Kohlhoff. Platz 21 musste es im Ziel sein, Platz 21 war es. Das war das Ticket.
 
Laser Radial
Im Laser Radial legte Max Stein (Ulm) nach einem mäßigen Auftakt (Plätze 3/7) eine Serie mit vier Wettfahrtsiegen hin und sicherte sich verdient den Start bei der ISAF-Jugend-WM. Es folgen auf den Plätzen zwei, drei und vier Theodor Bauer (Malchin), Ole Nietiedt  (Zielow) und Maurice Oster (Hermannsburg). Fünfter wurde Ahmed Abdulsalam aus Kuwait.
Florian Hauffe (Norddeutscher Regatta Verein), der im Vorjahr bei den Olympischen Jugendspielen die Silbermedaille gewann, musste sich mit Rang elf zufrieden geben.

Bei den Mädchen setzte sich im Kampf um das WM-Ticket die Mühlheimerin Ann Kristin Wedemeyer mit einem starken Abschlusstag durch und stieß die bis dahin führende Constanze Stolz (Düsseldorf) vom Thron. Zweite wurde Pauline Liebig (Kreuzlingen) vor einer enttäuschten Constanze Stolz, die im Vorjahr bei den Youth Olympic Games Bronze gewonnen hatte. Hinter Annika Matthiesen (Duisburg) landete Svenja Weger (Kleinmachnow) auf Platz fünf, die im Vorjahr mit Wiebke Lechler für Deutschland bei der Jugend-WM mit Rang sechs die beste Platzierung erreicht hatte. Dieselbe Reihenfolge ergibt sich dadurch auch für die Deutsche Juniorenmeisterschaft und die YES-Wertung.
 
RS:X:
Auf dem RS:X-Surfboard sicherte sich Benedikt Hattich (Lübeck) das Ticket für die ISAF-Jugend-Weltmeisterschaften mit 35 Punkten Vorsprung vor seinem stärksten Konkurrenten Nikolas Götzke (Immenstadt). Nachdem der 17-Jährige im Vorjahr das Ticket zur ISAF-Jugend-WM verpasst hatte, folgte jetzt der souveräne Erfolg. Beim Kampf um den YES-Titel zog Vorjahressieger Florian Freimüller (Altenholz) mit ausschließlich ersten Plätzen einsam seine Runden an der Spitze des Feldes. In der U-22-Junioren-Wertung gewann Moritz Schoentag (Bernau) die Deutsche Juniorenmeisterschaft als Gesamtzweiter.
Bei den Mädchen scheiterte Jennifer Bender (Heusenstamm) ohne Konkurrenz. Die einzige Kandidatin für die ISAF Worlds hätte in der ersten Hälfte platziert sein müssen. Die Juniorenmeisterschaft (U22) gewann die Kielerin Lisa Riske.
 
420er:
Im 420er gibt es bekannte Gesichter, die für Deutschland zur ISAF-Jugend-WM reisen. Bei den Jungen setzten sich Malte Winklel/Lucas Thielemann durch. Die Schweriner hatten Deutschland schon 2010 vertreten und Platz 24 belegt. Dieses Jahr wollen sie sich steigern.
Bei den Mädchen geewannen Paulina Rothlauf/Madlen Geisler (München). Die zweimalige Europameisterin im Optimisten 2008 und 2009, Paulina Rothlauf, segelt seit etwas mehr als zwei Jahren mit Madlen Geisler im 420er.
 
Laser:
Beim Kampf um die Laser-Juniorenmeisterschaft fing Lukas Feuerherdt (Brandenburg) mit den Plätzen drei und eins die Konkurrenz ab. Fabian Gielen (Lindau), der Deutschland 2009 bei der ISAF-Jugend-WM vertrat, wurde Vizemeister vor Max Jambor (Berlin), der vor dem letzten Tag geführt hatte.
Sebastian Bühler (Günzburg), der Deutschland im Vorjahr bei der Jugend-WM vertreten hatte und mit dem elften Platz abgeschlossen hatte, wurde Vierter in der DJM-Ausscheidung.
 
470er:
Im 470er zeigten Magnus Masilge/Moritz Klingenberg einmal mehr, dass Berlin eine 470er-Hochburg ist. Mit einer konstanten Serie (4/4/1/1/3) gewannen sie die Deutsche Juniorenmeisterschaft und die YES-Gesamtwertung. Zweite bei der DJM wurden Florian Dzieslaty/Lasse Gülzow, ebenfalls Berliner, vor Yannick Hafner/Fabian Schöberl (Hagnau).
 
505er
Bei den 505ern zeigte Meike Schomäker mit Holger Jess (Kiel) den Männern das Heck. Die schnellste 505er-Seglerin der Welt (17. bei der WM in Australien) krönte die YES mit einem Tagessieg zum Abschluss und holte damit den Gesamtsieg. Hinter Ulf Pleßmann/Heini Rix (Jork) und Sophie Heyer/Sebastian Salein (Berlin) landeten die amtierenden Weltmeister und 18maligen Kieler-Woche-Sieger Dr. Wolfgang Hunger/Julien Kleiner (Strande) auf Rang vier. Martin Görge wurde mit dem DSV-Vizepräsidenten Torsten Haverland an Bord Sechster.
 
Pirat
In der Jugendklasse Pirat setzte sich einmal mehr die Erfahrung durch. An Bord von Svenja Thoroe (Kiel) segelt mit Karsten Bredt (49) einer der ganz erfahrenen Piraten, der einst mit Frank Schönfeld schon Titel gehamstert hat. Nach dem zweiten Platz im Vorjahr gab es jetzt wieder den YES-Titel. Till Krüger/Carlotta Meewes (Hamburg) und Lars-Oliver Melzer/Marc Rokicki (Berlin) blieben die Plätze zwei und drei.
 
Europe
Die gemischte Europe-Klasse wurde vom Bremer Sverre Reinke beherrscht. Mit 13 Punkten Vorsprung verwies er die Konkurrenz aus Dänemark auf die Plätze. Dahinter platzierte sich Nicki Kraus (Gleichen) vor Lina Rixgens (Köln) auf Platz vier. Mit 85 Startern war die gemischte Europe-Klasse die stärkste Einhandklasse. Berücksichtigen muss man allerdings, dass sich die Laser/innen auf vier Klassen aufteilten.
 
Bic Techno
Bei den U17 setzte sich Stefanie Schwarz (Schondorf) vor Lasse Mannsbarth (Kiel) und Merlin Lippert (Berlin) durch. Vier Wettfahrtsiege unterstrichen in den sechs Rennen ihre Dominanz. Der Schwedenecker Luis Ponseti verwies bei den U15 Moritz Hausberg (Strande) und Lukas Girke (Stahnsdorf) auf die Plätze.
 
14 Footer
Mit 16 Skiffs bereicherten die 14 Footer die Young Europeans Sailing und teilten sich die Bahn mit den 29ern. Am Ende entschieden Jörn Schulze/Sebastian Ladwig (Hamburg) das norddeutsche Duell für sich und verwiesen Bettina Möller/Jens Kulenkampff (Kiel) und Mark Schürch/Edda Schürch (Kiel), Dirk Rother/Kai Lassen (Lübeck)  sowie Oliver und Martin Holste (Flensburg) auf die Plätze.
 
Laser 4.7
Enges Ergebnis bei den Lasern 4.7: Bis zur letzten Wettfahrt lieferten sich  Dorian Kern (Stuttgart) und Matthes Waack (PWV) ein Bug-an-Bug-Rennen, das der Stuttgarter punktgleich wegen der besseren Einzelplatzierungen (zweimal Erster) gewann. Dritte wurde Viviana Funken aus Lörrach.
 
Insgesamt traten 900 Segler in 650 Booten bei den Young European Sailings an. In 14 Disziplinen wurde gesegelt: Europe, Laser (männlich und weiblich), Laser Radial (männlich und weiblich), Laser 4.7, 14-Footer, 29er, 420er, 470er, 505er, Pirat, RS:X-Surfen, Bic Techno-Surfen.
Das Gesamtkonzept der Veranstaltung fand auch bei den Partnern Anklang. Das Autohaus Kath aus Friedrichsort sorgte dafür, dass den Teilnehmern auch ein abwechslungsreiches Landprogramm geboten wurde.
„Der Kieler Yacht-Club leistet mit seiner Jugendarbeit wertvolle Hilfe in der Nachwuchsförderung. Daher unterstützen wir den Club sehr gern bei der Durchführung der größten Nachwuchsregatta Europas“, so Tom Strenge, Geschäftsführer der Kath Gruppe.
Neben dem Autohaus Kath unterstützen die Young Europeans Sailing die Sponsoren Addix Internet Services, b+m Informatik, B+S Card Service, Hugo Hamann mit Konica Minolta, KielNET, SVG Service Verlag/Segler-Zeitung und ThyssenKrupp.