"Vanity V" und "Hollandia" dominieren zum Auftakt

GLÜCKSBURG, 30.06.2011 von IBN

Zwei überragende Tagessieger aus den Niederlanden und Dänemark sowie eine leichte Kollision der Segelyacht „Sira“ des Königs Harald V. von Norwegen – das waren die Gesprächsthemen Nummer eins zum Auftakt der achten Rolex Baltic Week in Glücksburg.

Die „Vanity V“ von Patrick Howaldt aus Kopenhagen dominierte am Mittwoch (29. Juni) die Robbe & Berking 12mR Weltmeisterschaft. Zweimal schnellster Achter war die „Hollandia“ mit Tim van Rootselaar am Ruder, und ist nun WM-Topfavorit. Einen Dämpfer musste der ambitionierte König Harald V. von Norwegen hinnehmen, der mit seiner 8mR-Yacht „Sira“ eine leichte Kollision verschuldete und die zweite Wettfahrt aufgab. 

Nach einer lauschigen Sommernacht mit der feierlichen Eröffnung der ersten Rolex Baltic Week beim Flensburger Segel-Club bot auch der Regattaauftakt das warme Willkommen, das sich die 46 Crews aus 15 Nationen erhofft hatten. Dabei hatte der Tag mit Hoffen und Bangen begonnen, denn Wetterexperte Dr. Meeno Schrader hatte beim Skippers-Briefing am Morgen sorgenvoll das Risiko eines Wetterumschwung am frühen Nachmittag verkündet, der nicht nur die Sonne verdrängen und Regen und kältere Temperaturen bringen, sondern auch für ein völlig neues Windsystem sorgen sollte. Doch die angekündigte Kaltfront ließ sich Zeit, um über die Flensburger Förde hinweg zu ziehen, und so konnten zumindest die Zwölfer bei besten Bedingungen um Windstärke drei zwei Rennen segeln. Die Achter hatten auf ihrer Bahn dagegen mehr Probleme, da der ohnehin schwächere Wind früher abflaute.

 Für Patrick Howaldt, Steuermann der zweimal siegreichen „Vanity V“, hätte es nicht besser laufen können: „Wir sind wirklich sehr glücklich. Der Wind war ideal, sehr konstant in der Richtung und optimal in der Stärke für uns. Wir können aber auch mehr Wind vertragen, weniger liegt uns dagegen nicht so“, berichtete er nach der Rückkehr an Land. Auch taktisch war die „Vanity“-Crew rundum zufrieden. Obwohl sie im ersten Rennen auf dem Weg zur ersten Tonne weit in Richtung dänische Küste gefahren war und damit etwas über der Anliegelinie lag, setzte sie sich früh an die Spitze. „Im zweiten Rennen hatten wir einen perfekten Start an der Tonne. Als dann auch noch die anderen Schiffe weggewendet haben, war der Weg frei“, so Howaldt, der für den weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft zurückhaltend bleibt: „Die Yachten sind sehr nah beieinander. Und im vergangenen Jahr sind wir zur Rolex Baltic Week auch so gut gestartet, lagen bis zum letzten Tag vorn und mussten dann doch noch die ,Trivia' vorbeiziehen lassen.“

 Die „Trivia“ segelte zum Auftakt auf die Plätze drei und zwei, vergab aber die Chance, auf ein besseres Ergebnis: „Wir haben ein paar Fehler in den Manövern gemacht. Insgesamt war es aber eine solide Leistung, auf der wir aufbauen können“, sagte Eigner und Steuermann Wilfried Beeck (Kieler Yacht-Club), der im ersten Rennen bei der letzten Tonnenrundung den zweiten Platz vergab, als er am Tor die Lücke aufmachte und die „Sphinx“ durchrutschen ließ.

Auf der „Sphinx“, die in Flensburg ihre Heimat hat, war die ganz frisch zusammengestellte Crew mit dem Start in die WM sehr zufrieden. Guy Ribadeau Dumas, der auf Zwölfern sehr erfahren ist und in den 70er- und 80er-Jahren auf America’s Cuppern gesegelt ist, hat erst zur Regatta das Ruder vom Dänen Björn Westergaard übernommen, fand sich indes gleich bestens zurecht. „Wir waren sehr schnell unterwegs. Leider haben wir im zweiten Rennen keine Lücke am Start gefunden, in die wir hätten hinein stoßen können, so mussten wir hinter dem gesamten Feld starten.“

 Als sehr zäh empfand der Schweizer Jean Fabre, der im vergangenen Jahr mit seiner „Yquem II“ bei der Rolex Baltic Week triumphiert hatte, den Auftakt bei den Achtern: „Es war wirklich sehr schwierig bei dem leichten Wind. Wir haben einige Fehler gemacht und hatten einen durchschnittlichen Tag mit einem zweiten und einem dritten Platz. Die ,Hollandia‘ war sehr schnell unterwegs, und es wird schwer, sie zu schlagen. Hoffentlich haben wir in den kommenden Tagen mehr Wind. Aber es war trotzdem ein schöner Segeltag, wir haben wirklich Spaß gehabt.“ Einen starken Eindruck hinterließ auch die kanadische „Raven“ von Richard Self und Mark Decelles, der es trotz des hohen Bootsalters von 73 Jahren gelang, mit den modernen Achtern mitzuhalten.

 Einen unglücklichen Tag erlebte dagegen seine Majestät König Harald V. von Norwegen. Nach einem guten ersten Rennen (8.) war er in der zweiten Wettfahrt kurz nach dem Start in einer Kollision verstrickt. „Wir segelten auf dem ausweichpflichtigen Bug auf den argentinischen Achter zu und haben versucht, hinter ihm durchzutauchen. Aber das Großsegel hatte noch vollen Druck, so dass wir nicht genügend abfallen konnten“, berichtete Crewmitglied Einar Koefoed. Die grüne „Sira“ erwischte die „Delphis“ am Heck und fädelte am Achterstag ein, obwohl der König am Steuer hart Ruder legte. Beide Yachten benötigten rund zwei Minuten, um sich wieder voneinander zu befreien. Während der Monarch das Rennen aufgab, konnte die „Delphis“ bis ins Ziel segeln. „Wir haben vielleicht ein bis zwei Minuten verloren, ansonsten war es aber kein großes Problem“, sagte „Delphis“ -Steuermann Micael Sielecki, der in der Protestverhandlung am Abend auf eine Wiedergutmachung hoffte.

 Vor dem Start hatte König Harald V. noch seine große Freude zum Ausdruck gebracht, auf dem deutsch-dänischen Gewässer am Start zu sein. „Ich habe hier noch nie zuvor gesegelt, bin aber von dem Revier begeistert“, so der 74-Jährige. Seine nur etwas jüngere klassische Yacht „Sira“ hat er erst einmal zuvor geskippert. Das war 2008 in der Heimat vor Hankö, wo seine Majestät prompt den von ihm selbst gestifteten Sira Cup gewann. „Den wollen wir auch diesmal gewinnen, das ist unser erklärtes Ziel. Aber ich kenne die Konkurrenz gar nicht. Das kann auch ganz schön schwierig werden“, sagte der König. Durch das verlorene Rennen ist er vorläufig nur 17.

 Nach dem ersten Tag hat die „Hollandia“ unter den 25 Achtern die Gesamtführung vor der „YQuem II“, der „Lafayette“ (Murdoch McKilop, Großbritannien) und der „Raven“ inne. Bei den Zwölfern führt die „Vanity“ vor den punktgleichen „Trivia“ und „Sphinx“. Die Rolex Baltic Week wird am Donnerstag (30. Juli) um 12 Uhr mit jeweils zwei weiteren WM-Rennen in beiden Klassen fortgesetzt. Der Wind soll bis dahin etwas zunehmen. Die Titel werden am kommenden Sonntag (3. Juli) vergeben.

Die Anitra von Josef Martin aus Radolfzell liegt auf Rang vier. 

Achter: 19. H 9 Elfe II Andi Lochbrunner 1912 Andi Lochbrunner LSC/KYC , 20. H 4 Sposa Hans-Robert Nitsche 1912 Richard Gervé LSC , 23. H 3 Edit Wilhelm Wagner 1911 Wilhelm Wagner SCBO.

 

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Weitere Infos

Die mR-Formel (Meter-Formel) für Yachten ist eine Vermessungsformel, die 1906 von Vertretern verschiedener europäischer Segelverbände entwickelt wurde, um Schiffe nach international gültigen Standards gegeneinander antreten lassen zu können. 1907 wurde das Regelwerk in den neugegründeten Weltdachverband IYRU übernommen. Der mR-Wert entspricht dabei nicht der Schiffslänge, sondern gibt einen Rennwert wieder, der sich aus einer Formel mit verschiedenen Schiffsmaßen ergibt. Zwölfer sind tatsächlich in der Regel über 20 Meter lang. Aufgrund der Weiterentwicklung im Bootsbau wurde die Formel 1918 erneuert, so dass die Zwölfer in verschiedenen Divisionen segeln. Zur Rolex Baltic Week sind vier Yachten nach der ursprünglichen mR-Formel (Antique) und sechs nach der darauf folgenden Vintage-Formel am Start. Allesamt sind aber bereits mehr als 70 Jahre alt.

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