Altkatamaran fuhr bei Westost allen davon

schiess

Bregenz, 02.08.2011 von Hermannn Thüringer

Beim Start am Samstag, 30. Juli, um 8 Uhr vor Konstanz war die Windwelt noch in Ordnung. „Wir kamen den dahinrasenden Kats mit dem Schlauchboot kaum nach“, berichtete BSC-Wettfahrtleiter Uli Diem. Mit 245 Schiffen war die Beteiligung an der Westostregatta auffallend gut.

Rundumsieger Albert Schiess wiederholte seinen Erfolg in beeindruckender Manier und fuhr mit einer Gesamtzeit von nur 03:04:00 Stunden mit einer halben Stunde Vorsprung vor dem zweiten Katamaran „Sonnenkönig“ über die Ziellinie. Wie viele Andere entschied  er sich rechtzeitig für die Schweizer Seite, die diesmal eindeutig bevorzugt war.

Die Langstrecke über den See hat ihre eigenen Gesetze. Das erfuhr diesmal leidvoll auch der bekannte Windfuchs und Vorarlberger Sieganwärter Fritz Trippolt, der mit seinem Katamaran „Skinfit“ nach kurzem Sonnendurchbruch auf die Thermik am deutschen Ufer setzte. „Ich war das nördlichste Boot in der Hoffnung auf den Landwind“, der aber leider ausblieb, weil sich die Sonne wieder verabschiedete. Er erlitt dasselbe Schicksal wie alle, die das deutsche Ufer wählten und dort stundenlang in der Flaute parkten, während die Schiffe etwas jenseits der Seemitte gleichmäßig dahinzogen. Wie stark sich diese Kurswahl auswirkte, konnte an den extremen Zeitunterschieden bei baugleichen Booten abgelesen werden. Wie immer schafften es die schnellen Klassen, den gleichmäßigen West bis ins Ziel zu nützen. Nach 13 Uhr schwächelte der Wind aber stark, um für einige Stunden überhaupt auszubleiben. Das kostete manchen „Normalsegler“ viel Zeit und vor allem Nerven. Für einige von ihnen blieb das Zeitlimit von 21 Uhr in Bregenz unerreichbar.

Windriecher im Vorteil

Warum der Arboner Albert Schiess auf seinem Katamaran „Holy Smoke“ überlegen als Erster durchs Ziel fuhr, begründete er mit einem Fingerzeig auf seine Nase und meinte damit, über den richtigen Windriecher verfügt zu haben. Den favorisierten neuen Karbonkat „Black Jack“ des Meersburgers Ralph Schatz ließ er alt aussehen, überholte ihn vor Friedrichshafen und setzte seinen Kurs bis vor Romanshorn, um dann ungefährdet und frei die Ziellinie vor Bregenz zu durchfahren. Mit seinem 22 Jahre alten Gerät, an dem er im Vorjahr nur die Segel erneuerte –„wenig Bauch, hart wie ein Brett“ - bewies er eindrucksvoll, dass das Material nicht alles im Segelsport bedeutet.

Hoch gelobt wurde vom Wettfahrtleiter des Veranstalters BSC, Uli Diem, die Crew des Schülersegelclubs Konstanz, die auf ihrer „Mistral“ mit einer Viertelstunde Vorsprung die Klasse X-99 gewann. „Wenn man euch sieht, muss einem um die Zukunft des Segelsports nicht bange sein,“ meinte er im Rahmen der Preisverteilung.  Einen kritischen Appell richtete er an jene, „die mit Riesentüchern fahren, ohne sie der Yardstickkommission gemeldet zu haben.“ Das gefiel wiederum dem Sieger der „Unvermessenen“, Dietmar Salzmann, nicht. Seiner Meinung nach müsste die Wettfahrtleitung, wenn sie unsportliches Verhalten wahrnimmt, von sich aus Protest einlegen. „Die Segler kommen zu ihrem  Vergnügen und möchten nicht als die Bösen gelten, wenn sie Kollegen hinausprotestieren.“ Offensichtlich hat sich also das Protestieren noch nicht als Standardmaßnahme in der Segelszene etabliert.

Den Hypo-Sonderpreis für das schnellste Schiff nach Yardstick berechneter Zeit erhielt Andreas Ammann vom Konstanzer YC.

Für Stimmung sorgte am Samstagabend im Festzelt die mexikanische Band „Los Mariachis del Mariachi“ mit feurigen Rhythmen, die die müden Segler wieder munter machten. Dem veranstaltenden Verein gegenüber, der sich viel Mühe machte, den Abend originell zu gestalten, hätten jedoch noch mehr Teilnehmer Fairness erweisen können, indem sie nicht nach Zieldurchfahrt abdrehen, sondern auch das Ambiente im Hafen genießen.

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