Denkwürdiger Regattatag bei der America’s Cup World Series
Plymouth, 12.09.2011 von IBN
Der Regattakurs wurde noch näher am „Hoe“ ausgelegt, so dass die Zuschauer an Land einmal mehr nur wenige Meter vom Geschehen entfernt waren.
Die stürmischen Bedingungen brachten Crews und Boote an ihre Grenzen und manchmal auch darüber hinaus. Drei Teams kenterten: Aleph aus Frankreich, Team Korea und nur wenige Meter vor dem Ziel auch das spanische Green Comm Racing. In allen drei Fällen blieben die Crewmitglieder unversehrt, die Boote trugen kleinere Schäden an den Tragflächensegeln davon.
Im Rennverlauf entging auch ORACLE Racing Spithill mehrmals nur ganz knapp dem Kentern, mit viel Glück überstand das Team die erste Tonnenrundung an der Spitze der Flotte. Andere Teams konnten Spithill zwischenzeitlich die Führung abnehmen. Zunächst gelang dies Artemis Racing, später dem Emirates Team New Zealand. Rennentscheidend war es heute, so wenige Fehler wie möglich zu machen, und diesen Abnutzungskampf gewannen James Spithill und sein abgebrühtes ORACLE Team.
Das französische Energy Team segelte mit eine starken Leistung auf Rang vier, nachdem es sich das ganze Rennen über einen erbitterten Kampf mit Russell Coutts um einen Platz auf den Podium geliefert hatte. Auch das China Team machte seine Sache bei diesen Bedingungen gut und wurde Fünfter. Artemis Racing musste dagegen aufgeben, nur wenige Augenblicke nachdem das Team in der zweiten Runde die Führung wegen Materialproblemen verloren hatte.
Das erste Team, das umkippte, war Aleph. Gleich zu Beginn des Fleet Race kenterten die Franzosen über Bug, direkt vor der Uferpromenade von Plymouth. Als nächstes war das Team Korea an der Luvmarke im Pech und kenterte ebenfalls über Bug. Und ärgerlich dicht vor der Ziellinie erwischte es Green Comm Racing in einer heftigen Bö. Sportdirektor Luca Devoti sagte: „Niemand kam zu Schaden, allerdings hat der Flügel etwas abbekommen. Wir werden zwei Tage zur Reparatur benötigen.“
Den ganzen Tag über wurden Segler und Boote an ihre äußersten Limits gebracht, schenkt man allerdings einem lässigen James Spithill Glauben, dann war es gar nicht so schlimm: „Auf jeden Fall war das großartiges Regattasegeln, aber noch nicht an den Grenzen dieser Boote, da geht noch mehr.“ Mutige Worte nach einem Rennen, das vielen Zuschauern den Atem verschlug.
Trotz Spihills Sieg reichte dessen ärgstem Konkurrenten, Dean Barker, ein zweiter Platz, um die Plymouth AC Preliminaries zu gewinnen.
Bei den AC500 Speed Trials sah es so aus, als hätten die „Kiwis“ mit zwei sehr guten Läufen auch diesen Sieg bereits in der Tasche, während andere Teams große Probleme bekamen. Spithills vollmundige Worte hätten sich fast gerächt, als sein AC45-Katamaran auf des Messers Schneide dahinglitt – tatsächlich sah es einige Momente so aus, als würde er umkippen – eher er doch wieder auf beide Rümpfe zurückfiel.
Spithill hatte in den Speed Trials damit keine Siegchance mehr, die anderen Teams – insbesondere ORACLE Racing Coutts – mussten die Zeit der „Kiwis“ nun attackieren. Wie gestern war es schließlich Russell Coutts, der einen kompromisslosen letzten Lauf segelte und in 37,48 Sekunden die Bestzeit aufstellte.
Am Montag und am Dienstag stehen bei der America’s Cup World Series – Plymouth keine Rennen auf dem Programm, so dass Mensch und Material die Chance zur Regenration bzw. Reparatur bekommen. Am Mittwoch wird die Regatta mit den Qualifikationsrennen zur Plymouth AC Match Race Championship fortgesetzt.
